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Smartphones aus – Schlaf ein

Viele junge Menschen leiden neuen Studien zufolge bereits ab der siebten Klasse unter Schlafmangel. Wie wichtig Schlaf für die Gesundheit insbesondere von Kindern und Jugendlichen ist, wird häufig unterschätzt. Längst ist bekannt, dass Schlafmangel das Risiko für viele Krankheiten erhöht. Dazu gehören Übergewicht, Diabetes, Depressionen, Herzerkrankungen und eine schwache Immunabwehr. Schlafmangel kann zudem ADHS-ähnliche Symptome und Schulprobleme auslösen.

Schlafmangel ist zwei aktuellen Analysen zufolge gerade unter älteren Schülern in Deutschland weit verbreitet und verursacht erhöhtes Stressempfinden. Bei weniger als acht Stunden Schlaf mehren sich Konzentrationsprobleme und eine erhöhte Verletzungsgefahr im Schulalltag. Das berichtet das Forschungszentrum Demografischer Wandel der Frankfurt University of Applied Sciences.

Risiken durch Schlafmangel

„Unsere Daten zeigen ein sehr klares Bild: Zu wenig Schlaf wirkt sich negativ auf die Schulkinder aus“, bilanziert Studienleiter Andreas Klocke. Grundlage der Ergebnisse der Frankfurter Forscher ist eine fortlaufende Analyse (GUS Projekt), für die rund 10.000 Schüler an rund 150 weiterführenden Schulen jährlich zu Verletzungen, Gesundheitszustand und Schlafverhalten befragt werden.

Besonders im Schulsport, auf dem Schulweg oder Schulhof steigt offenbar die Unfallgefahr durch Schlafmangel. Fast 25 Prozent der Wenig-Schläfer gaben an, sich innerhalb des letzten Jahres im Schulumfeld verletzt zu haben. Bei den länger Schlafenden waren es nur rund 19 Prozent.

Die mittlere Schlafdauer der Heranwachsenden verringert sich demnach innerhalb von drei Jahren um eineinhalb Stunden. Schliefen Fünftklässler im Alter von etwa 11 Jahren im Mittel noch rund 9 Stunden und 45 Minuten, so schlummerten Achtklässler nur noch 8 Stunden und 15 Minuten, wovon rund 38 Prozent an mehr als zwei Tagen wöchentlich über Konzentrationsprobleme klagten. Bei Schülern, die acht Stunden oder mehr schlafen, waren es etwa 14 Prozent weniger.

Eine Befragung der DAK von fast 9300 Schülern der Jahrgangsstufen fünf bis zehn ergibt einen ähnlichen Befund. Laut aktueller Erhebung fühlt sich die Hälfte der älteren Schüler aufgrund von Schlafmangel tagsüber erschöpft. Kinder mit zu wenig Schlaf seien gestresster. Häufig schliefen Neunt- und Zehntklässler nur sieben Stunden. Das seien zwei Stunden weniger als empfohlen, wie die Krankenkasse mitteilte. Jeder fünfte schlafe sogar weniger als sechs Stunden pro Nacht.

Gründe für den Schlafmangel

Viele bleiben lange wach und quälen sich nur mühsam morgens aus dem Bett. Eine Ursache für den erheblichen Mangel an Schlaf sei die Nutzung von Bildschirm-Geräten. „Die Schüler kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie laden ihre eigenen Batterien nicht mehr ausreichend auf“, erklärte Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit.

Kinder, die angaben, mehr als vier Stunden täglich vor Bildschirmen zu verbringen, schliefen im Mittel deutlich weniger – im Durchschnitt nur 7,3 Stunden als Kinder, die am Tag weniger als eine Stunde Smartphone, Tablet und ähnliche Geräte nutzten mit 8,9 Stunden. In den nächsten beiden Befragungsrunden wollen die Frankfurter Forscher prüfen, ob ein späterer Schulbeginn helfen könnte, und welche Startzeit Schüler bevorzugen würden.

Späterer Schulstart in Deutschland

Eine Studie in den USA hatte gezeigt, dass junge Menschen bei einem späteren Schulstart tatsächlich länger schlafen und nicht einfach nur später ins Bett gehen. Schlafforscher fordern in Deutschland seit langem einen späteren Schulbeginn. Neun Uhr wäre eine gute Zeit, sagt Alfred Wiater, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Allerdings gelte dies nicht für Grundschulkinder. In der Pubertät verschiebe sich die innere Uhr zum Spättypen.

Würde der Unterricht für Kinder nur eine Stunde später beginnen, wären sie laut aktuellen Studien konzentrierter und wacher. Schlafstörungen wachsen sich zudem selten aus, sondern werden im Jugendalter meist schlimmer. Schlafdefizite sind auch nicht, wie viele Jugendlich praktizieren, am Wochenende durch langes Ausschlafen ausgleichbar. Laut einer Untersuchung des „British Medical Journal Pediatrics Open“ beeinträchtigt Schlafmangel die psychische Gesundheit von Heranwachsenden noch stärker als Mobbing. In Großbritannien soll das Thema Schlaf sogar Unterrichtsinhalt werden.

Autorin: Gertrud Maria Vaske

Datum: 29.01.2019
Rubrik: Service & Wissen
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