Alkohol schadet – auch kleinste Mengen

 

Alkohol schadet – auch kleinste Mengen

Gerade ein Glas Rotwein am Tag gilt bei vielen als gesund. Dann kann ein Bierchen doch den Körper auch nicht schädigen oder? Studien ergaben, selbst wenig Alkohol belastet Herz und Hirn. Die neue NHANES-Untersuchung zeigt die neuesten Auswirkungen von Alkohol auf die Herzgesundheit. Wissenschaftler der Wake Forest Universität in North Carolina haben darin über 17.000 Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe trank 14 Drinks pro Woche, die zweite 7 bis 13 alkoholreiche Getränke und die dritte Gruppe konsumierte gar keinen Alkohol.

Heraus kam, dass die Vieltrinker ein fast 70 Prozent höheres Risiko für Bluthochdruck hatten als die Nichttrinker und die gemäßigten Alkohol-Konsumenten ein um 53 Prozent erhöhtes Risiko für Bluthochdruck (Hypertonie) hatten als die alkoholfreie Gruppe. Ein erhöhter Blutdruck schadet auf Dauer Herz und Hirn.

Die Ergebnisse für die Studie stammen aus der National Health and Nutrition Examination Study (NHANES), eine große Untersuchung der amerikanischen Zentren für Krankheitsbekämpfung und Prävention, die über mehrere Jahrzehnte angelegt ist. Über 17.000 Erwachsene berichteten in Fragebögen über ihr Trinkverhalten. Außerdem wurde ihr Blutdruck gemessen.

Wenig Alkohol verursacht schon Bluthochdruck

Insgesamt betrug der durchschnittliche Blutdruck bei den Nichttrinkern etwa 109 / 67 mmHg, bei den moderaten Trinkern 128 / 79 mmHg und bei den starken Trinkern 153 / 82 mmHg. Die Studie widerspricht damit der Auffassung, dass geringer Alkoholkonsum die Herzgesundheit fördere. Studienautor Dr. Amer Aladin ist überzeugt: „Dies wird ein Wendepunkt für die klinische Praxis, die zukünftige Forschung, Aufklärung und Gesundheitspolitik in Bezug auf Alkoholkonsum sein.“

Hypertonie-Entwicklung durch Alkohol-Konsum

Kritiker rügen die NHANES-Sekundär-Studie als ungenau und lückenhaft, zumal die Entstehung von Hypertonie multikausal sei und von anderen Faktoren mitbestimmt würden wir Lebensstil, Demografie-, Ernährungs- und Verhaltensbedingten Krankheitsgeschehen, die sich ebenso auf das Herz-Kreislauf-System auswirken.

Laut Aladin ist die NHANES -Studie, die erste, die belege, dass sowohl bei starkem als auch bei mäßigem Alkoholkonsum ein erhöhtes Blutdruckrisiko zu beobachten sei. Die Forscher räumen ein, dass der Einfluss von Alkohol auf den Blutdruck mit verschiedenen Faktoren zusammenhänge.

Keine Wahrnehmung der körperlichen Vergiftung

Auch Dr. Peter Strate, Chefarzt der Suchtambulanz der Asklepios-Klinik Nord-Ochsenzoll beobachtet, dass „die beim sozialen Trinken erlebte „vitalisierende“ Wirkung von Alkohol meistens mit einem Blutdruckanstieg einhergeht, welcher häufig auch noch nach Beendigung der Alkoholaufnahme fortbesteht“.

Unter Experten ist unbestritten, dass Alkohol kalorienreich ist und den Appetit erhöht. Dadurch nimmt der Körper mehr Kalorien auf, was Gewichtszunahme und damit Bluthochdruck fördert. Suchtexperte Strate erklärt: „Alkohol ist ein Zellgift, welches schon in geringen Mengen seine Wirkung entfaltet. Bei einem regelmäßigen Konsum finden Anpassungsprozesse statt, so dass die eigentliche Intoxikation nicht mehr wahrgenommen oder als subjektiv angenehm erlebt wird“.

Erhöhte Schlaganfallgefahr mit Alkohol

Alkohol kann bis zu 200 Folgekrankheiten begünstigen. Fördert selbst geringer Alkoholkonsum auch das Schlaganfallrisiko? Ja! Veröffentlicht wurden die Studien-Ergebnisse im Fachmagazin „The Lancet“ und bestätigen: Je mehr Alkohol regelmäßig getrunken wird, umso höher steigt die Chance für einen Schlaganfall. Und auch geringe Steigerungen der Alkoholmenge potenzierten das Risiko enorm wie die Gemeinschaftsstudie der Universitäten von Peking und Oxford sowie der Chinese Academy of Medical Science belegt.

Von der Wunschvorstellung des gesunden Glas Rotweins gilt es sich nun wohl zu verabschieden. Suchtexperte Strate rät trotzdem, durchaus hin und wieder mal ein rauschendes Fest zu feiern „wie zum Beispiel zu Ehren Großmutters 90zigster Geburtstag. Das mag vielleicht ja auch manches familiäre System stabilisieren“.

Eine Alternative für keinen Alkoholkonsum sind vielleicht der häufigere Genuss alkoholfreier Drinks und Cocktails? Nur weil sie ganz ohne Gin, Wodka oder Sekt auskommen, müssen sie nicht weniger schmecken. Das Angebot der Rezeptauswahl ist jedenfalls vielfältig.

(Autorin: Gertrud Maria Vaske)

Datum: 16.04.2019
Rubrik: Service & Wissen
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