Weniger Killerfette in Lebensmitteln

 

Weniger Killerfette in Lebensmitteln

Sie stecken in Chips, Pommes, Croissants, Panaden, Saucen und Müsliriegel: Transfettsäuren in zu hohen Anteilen. Diese Fette gelten als gefährliche Krankmacher und schaden der Figur, dem Herzen und sogar dem Gehirn, denn sie verstopfen die Blutgefäße.

Um das Risiko für Herzerkrankungen zu senken, plant die EU-Kommission nun eine neue Vorschrift und hat eine verbindliche Obergrenze für gesundheitsschädliche Transfettsäuren beschlossen. Ab 2. April 2021 dürften nur noch Lebensmittel in den Handel gelangen, deren Fettgehalt zu weniger als zwei Prozent aus industriell hergestellten Transfetten besteht, erklärte die Brüsseler Behörde.

Transfette – das unsichtbare Gift

Transfette entstehen vor allem, wenn Pflanzenöl teilweise gehärtet wird. Für die Lebensmittelindustrie ist das praktisch. Der Prozess macht viele Produkte cremiger, streichfähiger, und haltbarer. Auch wenn pflanzliche Öle über einen längeren Zeitraum sehr stark oder mehrmals erhitzt werden, bilden sich häufig ungünstige Fettsäuren.

Transfette gelten als „schlechte Fette“ für den Körper. Sie sind vor allem in Keksen, Chips, Pommes, Margarine, Blätterteig und vielen Fertigprodukten enthalten. Sie zählen auch laut Bundesinstitut für Risikobewertung zu den unerwünschten Bestandteilen von Lebensmitteln. Im Blut erhöhen sie erwiesenermaßen das Cholesterin und fördern so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Experten wissen längst, dass Transfettsäuren wie eine klebrige Masse in Blutbahnen, an Zellwänden und Nerven hängen und sie in ihrer Funktion beeinträchtigen. Ärzte und Mediziner sprechen deshalb oft von Killerfetten.

Industrie ignoriert Forschungsstand

Obwohl Forscher bereits vor über 60 Jahren nachwiesen, dass Transfette Blutgefäße verstopfen können, enthalten viele Produkte heute noch zu viele ungünstige Fettsäuren. Die Gefahr ist, dass sie den Spiegel des potenziell schädlichen LDL-Cholesterins steigern, während sie den des potenziell schützenden HDL-Cholesterins senken. Auch die EU schreibt in ihrem Infoblatt, dass Transfette das Risiko für Herzkrankheiten mehr erhöhen als alle anderen in Lebensmitteln vorkommenden Nährstoffe.

In Deutschland gibt es bisher nur freiwillige Richtlinien und Empfehlungen für Hersteller und Verbraucher. So muss der Gehalt von Transfetten lediglich auf Säuglings- und Diätnahrung angegeben werden. Einen Anhaltspunkt beim Einkauf bieten Aufschriften wie „enthält gehärtete Fette" oder "Fette, zum Teil gehärtet", ansonsten erhalten Verbraucher beim Einkauf bisher keine expliziten Hinweise auf gesundheitsgefährdende Fette.

Weltweite Todesfälle durch Transfette

In EU-Mitgliedsländern wie Dänemark und Österreich gelten bereits verbindliche Obergrenzen. Dänemark beschloss bereits 2003 als erstes Land weltweit, den Anteil künstlicher Transfette in Lebensmitteln auf höchstens zwei Prozent zu begrenzen. Nach Einführung der Regelung sank neben dem Transfettgehalt auch die Anzahl der Todesfälle in Dänemark durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu anderen OECD-Ländern überproportional auffällig. In den USA sind Transfette in Lebensmitteln vollständig verboten.

Seit langem fordert auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), künstliche Transfette weitgehend aus Lebensmitteln zu entfernen. Ihren Empfehlungen zufolge sollten Menschen sogar nur ein Prozent des täglichen Kalorienbedarfs mit künstlichen Transfetten decken.

Höheres Gesundheitsrisiko für Einkommensschwache

Studien zufolge laufen in der EU vor allem Bevölkerungsgruppen mit geringem Einkommen sowie Studenten im Alter von 18 bis 30 Gefahr, Grenzwerte zu überschreiten. Laut WHO führen Transfette weltweit zu mehr als 500.000 Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen pro Jahr.

Endlich hat nun auch die EU-Kommission eine verbindliche Obergrenze für Transfette in Lebensmitteln festgelegt. Demnach dürfen Produkte, die bereit zum Verzehr sind, künftig maximal zwei Prozent dieser Art von gesundheitsschädlichen Fettsäuren enthalten. Ausgenommen von der Verordnung sind Lebensmittel, in denen Transfette als natürlicher Stoff vorkommen wie in Milch, Fleisch oder Butter.

Grenzüberschreitungen der Lebensmittel

Untersuchungen belegen, dass Backwaren wie Croissants oder Donuts häufig Grenzwerte übersteigen. Hier überschritt sogar jedes zweite Produkt die Zwei-Prozent-Hürde. Besonders häufig von künstlichen Transfetten betroffen sind frittierte Lebensmittel, Backwaren wie Croissants, Kekse, Waffeln, Margarine, Snacks wie Chips oder Mikrowellen-Popcorn, Fertigsuppen sowie Soßen.

Bis 2021 haben Hersteller nun noch Zeit, ihre Rezepturen, Inhaltsstoffe und Produktionsweisen zu ändern. Die neuen Grenzwerte bedeuten nicht, dass Verbraucher künftig auf Lebensmittel mit ungünstigen Fettsäuren verzichten müssen. Allerdings sind Unternehmer nun gezwungen, sich ab 2021 Alternativen zu überlegen wie sie neue Produktionstechniken sowie passende Zutaten einsetzen, um damit das Risiko für Herzerkrankungen effektiv zu senken.

Autorin: Gertrud Maria Vaske






Datum: 26.04.2019
Rubrik: Kochen & Essen
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