Stress-Abbau mit Natur-Kur

 

Stress-Abbau mit Natur-Kur

Körper und Sinne entspannen: Wer sich dreimal pro Woche mindestens 20 Minuten im Wald oder in der Natur entspannt, reduziert messbar seinen Stresspegel. Vor allem wenn die Ruhe im Stillen ohne Störungen genossen wird, stellen sich schnellere Erfolge ein. Dies bestätigt eine Studie der amerikanischen Universität Michigan. Demnach genügen 20 Minuten täglich im Grünen, um das Level an Stresshormonen deutlich zu vermindern. Die Forscher sprechen im Fachmagazin „Frontiers in Psychology“ von einer „Naturpille“.

Kurze Waldaufenthalte entspannen

Die Wissenschaftler ließen für ihr Ergebnis Testpersonen unterschiedlich lange in die Natur gehen, zum Beispiel in einen Park oder einen Wald. Dort sollten sie spazieren gehen oder sich auf eine Parkbank setzen. Anschließend wurde wieder der Anteil der Stresshormone gemessen. Die Teilnehmer, die etwa 20 bis 30 Minuten unterwegs waren, wiesen weniger Stresshormone wie Cortisol nach. Entscheidend sei, dass es sich um eine Umgebung handele, die einem ein Gefühl von Natur vermittle.

Ökologin und Hauptautorin MaryCarol Hunter von der State University of New York at Stony Brook erklärt: „Wir wissen bereits, dass es Stress reduziert, wenn man Zeit in der Natur verbringt“ und ergänzt, dass es bislang unklar war, wie lange und wie oft man in die Natur gehen sollte oder welche Art von Naturerfahrung besonders nutze.

Regeln für den Natur-Genuss

Die freiwilligen Teilnehmer konnten den Tag, den Ort ihres Naturerlebnisses und die Dauer des Aufenthaltes selbst bestimmen, damit dieser zu ihrem individuellen Lebensstil passte. Jedoch mussten sie einige Stressfaktoren minimieren: "Sie sollten die "Naturpille" bei Tageslicht nehmen, keine sportlichen Übungen machen und mobile Kommunikationen wie über Social Media-Kanäle, das Internet, aber auch Telefonanrufe, Unterhaltungen und Lesen vermeiden", sagt Hunter.

Die Wissenschaftler hatten einer Gruppe von 36 Freiwilligen eine regelmäßige „Naturpille“ verordnet: Damit meinten die Forscher mindestens drei Spaziergänge pro Woche in der Natur mit einer Dauer von zehn Minuten oder mehr. Vor, während und nach dem Experiment wurden die Cortisolwerte der teilnehmenden 33 Frauen und 3 Männer durch Analyse einer Speichelprobe bestimmt. Dabei wurde auch die sogenannte Alpha-Amylase, ein bekanntes Enzym aus dem Verdauungstrakt, untersucht. Bei Stress wird es vermehrt vom Körper ausschüttet.

Auch Tagesschwankungen, aufgrund von tageszeitveränderten Biomarkern, wurden bei der Berechnung berücksichtigt. Da Nahrungsmittel insbesondere die Alpha-Amylase stark beeinflussen können, wurde kein Essen und Trinken 30 Minuten vor Entnahme Speichelprobe gewährt.

Kostengünstige Naturpille gegen Stress

Die Forscher hoffen, dass die Untersuchung die Wirksamkeit der "Naturpille" unterstreicht. Sie sehen den Aufenthalt im Freien als kostengünstiges therapeutisches Mittel, um etwa negative Folgen des Stadtlebens zu minimieren, wie etwa viel Zeit in geschlossenen Räumen und vor Bildschirmen zu verbringen, einzudämmen. Zudem rät Hunter: "Ärzte könnten unsere Ergebnisse als evidenzbasierte Faustregel dafür verwenden, was in der Verschreibung einer "Naturpille" enthalten sein muss". Mehr Infos zur Studie

Cortisol, auch als Stresshormon bekannt, wird in der Nebennierenrinde hergestellt und in der Leber abgebaut. Dauerhaft erhöhte Cortisolwerte vergrößern das Risiko für ein geschwächtes Immunsystem, Herz-Kreislauf-Probleme, Übergewicht, Depressionen und viele weitere Krankheiten.  

Stressbewältigung mit der Natur

Die Erkenntnis, dass Bäume sich auf Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen positiv äußern, ist nicht neu. Die neuen Daten reihen sich in zahlreiche Untersuchungen ein, die die positiven Effekte eines Aufenthalts in der Natur belegen.

Bereits 1984 veröffentlichte der schwedische Forscher Roger Ulrich, dass sich höchstwahrscheinlich allein der Anblick von Bäumen positiv auswirkt: OP-Patienten, die nach dem Krankenhaus-Eingriff auf Grün schauten, benötigten weniger Schmerzmittel und wurden schneller gesund.

Auch eine japanische Studie bestätigt, dass regelmäßige und längere Waldspaziergänge die Zahl natürlicher Killerzellen erhöht, eine Untergruppe der weißen Blutzellen und Teil des menschlichen Immunsystems.

Risiko für Krankheiten minimieren

2015 ergänzte der US-amerikanische Umweltpsychologe Marc Berman, dass die Anzahl von Bäumen in einer Wohngegend die Gesundheit der Bewohner beeinflusst. Wer in grüneren Gebieten wohnt, litt seltener an Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Bei der Studie versuchten die Wissenschaftler herauszurechnen, dass auch andere Faktoren die Gesundheit beeinflussen. Dazu gehörte etwa ein höherer sozioökonomischer Status, der es den Menschen erlaubt, ins Grüne zu ziehen, und gleichzeitig oft mit gesünderer Ernährung und mehr Bewegung einhergeht.

Abenteuer Natur Waldbaden

Ob Übernachten in Baumhäusern oder Waldbaden - die Natur ist derzeit neuer Trend für viele Großstädter. Der Natur-Experte Martin Kiem, Psychologe und Buchautor hat einen eigenen Zertifikatslehrgang Waldbaden entwickelt und arbeitet gegenwärtig mit mehreren Universitäten zusammen, unter anderem der LMU München.

(Autorin: Gertrud Maria Vaske)

Datum: 08.04.2019
Rubrik: Service & Wissen
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