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Verstanden

Neue Studie

Antibiotika belasten Flüsse weltweit

Was tun, wenn Antibiotika nicht mehr helfen? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Antibiotikaresistenz bereits als globale Gefahr für die Gesundheit ein. Schätzungen zufolge könnte sie bis 2050 etwa zehn Millionen Menschenleben fordern. Die neue globale Studie ist alarmierend. Danach verunreinigen Antibiotika-Rückstände viele Flüsse in aller Welt. Die höchste Werte wurden in Österreich gefunden. Auch in Deutschland landen Reste von Antibiotika in Gewässern.

Die am Montag vorgestellten Studienergebnisse übertrafen dabei die vorgegebenen Grenzwerte teilweise um das bis zu 300-Fache. In 65 Prozent der Proben wurden die Forscher fündig. Zu den untersuchten Flüssen gehörten einige der bekanntesten Ströme wie Mekong, Seine, Themse, Tiber, Tigris, Chao Phraya sowie die Donau. Am häufigsten wurden Rückstände von Trimethoprim entdeckt, insgesamt in 307 von 711 Proben. Das Antibiotikum wirkt vor allem gegen Harnwegsentzündungen.

Antibiotikaresistent und nun?

Vor allem durch unnötigen Antibiotikaeinsatz und falsche Anwendung entstehen Resistenzen. Nach Einschätzung der britischen Forscher hat auch die Antibiotika-Belastung von Flüssen Auswirkungen für die Umwelt und Tierwelt und führt zu weiteren gefährlichen Antibiotikaresistenzen.

Dabei ist unklar, welchen genauen Einfluss die Antibiotikarückstände auf Menschen, Flora und Fauna nehmen. Studienkoordinator John Wilkinson betont: „Bisher wurde der Großteil der Untersuchungen in Europa, Nordamerika und China durchgeführt. Häufig wurde dabei nur auf eine Handvoll Antibiotika untersucht".

An vielen Orten fanden sie dabei Rückstände von Antibiotika - in europäischen ebenso wie in nord- und südamerikanischen Gewässern. Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler der Universität York insgesamt 711 Wasserproben aus 72 Ländern auf Reste von 14 häufig eingesetzten Antibiotika. Viele liegen deutlich über den Grenzwerten der AMR Industry Alliance. Ziel dieser mehr als hundert Unternehmen aus den Bereichen Pharma- und Biotechnologie ist es Antibiotikaresistenzen entgegenzuwirken.

Breitbandantibiotika und Co

In einer Wasserprobe aus Bangladesch fand sich ein um 300-facher zu hoher Wert des Antibiotikums Metronidazol, das unter anderem bei bakteriellen Infektionen der Haut oder im Mundraum eingesetzt wird. Metronidazole überschritten die empfohlenen Grenzwerte bei weitem.

Überhöhte Ciprofloxacin-Konzentrationen wurden an 51 Messstellen festgestellt. Das Breitbandantibiotikum wird vor allem gegen Magen-Darm-Trakt- oder Harnwegs-Infektionen verschrieben. In der Themse wurden fünf Antibiotika nachgewiesen. Hier lag die höchste Konzentration an Antibiotika bei 233 Nanogramm pro Liter. In Bangladesch lag sie beispielsweise um das 170-Fache höher.

Höchste Grenzwertüberschreitungen in Österreich

Am häufigsten wurden die Grenzwerte in Asien und Afrika überschritten, neben Bangladesch sind vor allem Kenia, Ghana, Pakistan und Nigeria betroffen. Die Messungen zeigen aber auch, dass das Problem gleichwohl in Europa und Amerika verbreitet ist. Die höchste Überschreitung eines Grenzwertes in Europa wurde in Österreich gemessen. Sie lagen laut den Forschern viermal höher als der als sicher geltende Wert.

Standorte mit hohem Risiko befanden sich typischerweise nahe an Abwassereinigungsanlagen, Kläranlagen oder Mülldeponien. Betroffen waren auch Regionen mit politischen Unruhen wie das Grenzgebiet von Israel und Palästina.

Fluch und Segen durch Antibiotika

Antibiotika kann in die Umwelt gelangen, zum Beispiel durch die Landwirtschaft oder Kläranlagen. Die Wahrscheinlichkeit sich beim Baden mit Keimen zu infizieren, ist bei gesunden Menschen allerdings gering. Wenn das Immunsystem jedoch geschwächt ist, kann es gefährlich werden. Auch Neugeborene und ältere Menschen können bei Kontakt mit Erregern schneller erkranken.

Seit ihrer Entwicklung vor etwa 100 Jahren haben Antibiotika Millionen von Menschen gerettet, sei es vor Tuberkulose, Lungenentzündungen oder anderen gefährlichen Krankheiten. Sicher ist jedoch, dass mit den Antibiotika auch die Zahl der resistenten Keime steigt. Verpflichtende Grenzwerte für Antibiotika in der Umwelt gibt es in Deutschland nicht, obwohl auch hierzulande mehrfach Spuren von Antibiotika und multiresistente Keime gefunden wurden.

Vorsicht bei Seen, Gewässern und Flüssen

Das Umweltbundesamt und Umweltschutzorganisationen fordern Grenzwerte schon seit längerem. Welche Auswirkungen die Antibiotikarückstände auf die Umwelt und die weltweite Gesundheit haben können, ist noch weitgehend unerforscht. Trotzdem hat das Umweltbundesamt erst im Oktober 2018 ein Hintergrundpapier zu dem Thema „Antibiotika und Antibiotikaresistenzen in der Umwelt“ herausgebracht.

Zudem hält eine Erkrankung von Badenden durch antibiotikaresistente Keime in Seen die Bundesregierung für möglich. Erst 2018 wurde in mehreren Gewässern und Badeseen in Niedersachsen multiresistente Bakterien nachgewiesen. Nach Einschätzung der Bundesregierung kann eine Übertragung auf Badende nicht ausgeschlossen werden, insbesondere bei Personen, die über eine abgeschwächte Immunabwehr verfügen. In Flüssen dürfte sich das Problem verstärken, denn nicht selten befinden sich hier direkt Kläranlagen.

Die Forscher der neuen globalen Studie bestätigen, dass die neuen Ergebnisse helfen, Wissenslücken mit Daten zu bisher noch nie untersuchten Ländern zu schließen. Insgesamt zeigen die Erkenntnisse wie weitverbreitet die Verunreinigung der Flüsse mit Antibiotika ist. Einer der Studienkoordinatoren Alistair Boxall sagte: "Unsere Ergebnisse sind aufschlussreich und gleichzeitig beunruhigend, weil sie eine weitverbreitete Kontamination von Flusssystemen auf der ganzen Welt mit Antibiotika beweisen".

Autorin: Gertrud Maria Vaske

Datum: 06.06.2019
Rubrik: Service & Wissen
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