Vorsicht auch vor natürlichen Präparaten

Vorsicht vor natürlichen Potenzmitteln

Das Regierungspräsidium Tübingen warnt vor der Einnahme eines als „rein natürlich“ bezeichneten Potenzmittel, das den Wirkstoff Sildenafil enthält. Das lebensgefährliche Produkt sollte sofort in den Hausmüll entsorgt werden. Die Einnahme könne zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, teilte die Behörde mit. Im schlimmsten Fall sei eine tödliche Wirkung möglich. Es wurde unter anderem in Wettbüros und online vertrieben.

Entgegen den Angaben der Packung enthalte das angeblich harmlose Produkt den Wirkstoff „Sildenafil“ in erhöhter Dosierung. Sildenafil wird bei Erektionsstörungen eingesetzt und ist verschreibungspflichtig. Männer dürfen es nur nach ärztlicher Absprache einnehmen.

Natürliche rezeptfreie Potenzmittel

Manche Männer genieren sich, den Arzt aufzusuchen und versuchen Probleme mit der Potenz allein zu lösen, indem sie rezeptfreie oder natürliche Präparate im Internet kaufen. Die Wirkung dieser vermeintlich potenzfördernder Nahrungsergänzungsmittel ist allerdings nicht erwiesen und über Nebenwirkungen wenig bekannt. Klassische Mittel wie Viagra gibt es hingegen nur auf Rezept und sind gut erforscht.

Etlichen natürlichen Mitteln wird aber nachgesagt, die Potenz zu fördern, darunter Ginseng oder Ginkgo. Diese vermeintlichen Potenzpräparate sind rezeptfrei käuflich. Jedoch sind natürliche Potenzmittel wenig erforscht wie Urologen wissen. Häufig existieren nur Einzelfallberichte von Männern, die sagen, dass ihnen der ein oder andere Wirkstoff helfen würde.

Pflanzliche Wirkstoffe

Auch pflanzliche Potenzmittel können gefährliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Nebenwirkungen haben, warnen Experten. Vorsicht ist geboten, insbesondere wenn rein pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel aus unkontrollierbaren Quellen im Internet gekauft werden. Viele Pflanzen und Kräuter können Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Schwermetallen und anderen Umweltgiften enthalten.

Apotheken sind dagegen in Deutschland für die Qualität und Unbedenklichkeit der von ihnen vertriebenen Kräuter und Arzneimittel verantwortlich und müssen diese durch eigene Prüfungen und Zertifikate der Lieferanten gewährleisten.

Homöopathische Hilfe

Männer können in Apotheken rezeptfrei homöopathische Potenzmittel kaufen, darunter Neradin oder Deseo. Laut Packungsbeilage werden diese bei sexueller Schwäche eingesetzt. Homöopathischen Mittel wie Neradin und Deseo müssen grundsätzlich auf ihre Verträglichkeit geprüft sein, weshalb keine überraschenden Nebenwirkungen drohen.

Bei homöopathischen Mitteln gilt jedoch, dass ebenfalls keine Wirkung nachgewiesen werden muss. Grundsätzlich sollten Verbraucher darauf achten, dass das gewählte potenzfördernde Produkt als wissenschaftlich untersucht und unbedenklich gelte.

Geschäfte mit der Potenz

Untersuchungen belegen, dass in vielen Präparaten gar kein Wirkstoff enthalten sei oder eben deutlich mehr als angegeben. Manchmal seien auch ganz andere Substanzen enthalten wie jetzt beim „natürlichen“ Potenzmittel Rammbock. Experten warnen deshalb vor dem schnellen Geschäft im Internet.

Ein weiteres Problem ist, dass natürliche und verschreibungspflichtige Potenzmittel oft teuer sind. Viagra oder Cialis nehmen Männer zwar nur bei Bedarf ein, jedoch kostet auch die klassische Packung mit zwölf Tabletten rund 25 bis 40 Euro.

Homöopathische Mittel sollten sogar mehrmals täglich eingenommen werden. Dabei ergebens sich jedoch in der Folge deutlich mehr Kosten als bei klassischen Präparaten.

Klassische Präparate gut erforscht

Gut erforscht ist hingegen die Wirksamkeit klassischer Potenzmittel wie Viagra. Sie alle hemmen ein bestimmtes Enzym und sorgen in den Blutgefäßen für eine Erweiterung der Schwellkörper. Alle Mittel wirken auf ähnliche Weise und haben letztlich auch ähnliche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Vorliegende Erkrankungen sollten grundsätzlich vor Einnahme des Potenzmittels beachtet werden. Manchmal sind Erektionsprobleme erste Anzeichen für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen. Menschen mit einem Herzinfarkt berichten, dass sie Jahre zuvor an Errektionsstörungen litten.

Die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit rät bei Impotenz und Männergesundheit: „Mann stehen und zum Arzt gehen“, denn „es muss mit Hilfe eines Arztes zunächst die Ursache abgeklärt werden. Danach richtet sich die Therapie“.

Autorin: Gertrud Maria Vaske

 

Datum: 05.06.2019
Rubrik: Service & Wissen
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