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Verstanden

Hormone für das männliche Geschlecht

Pille für den Mann?

Kann nicht auch der Mann Hormone einnehmen, um zu verhüten? Prinzipiell schon, sagen Experten, aber das ist nicht so einfach. Es wird schon lange an einem Verhütungsmittel für Männer geforscht, und oft ist zu lesen, dass die „Pille für den Mann“ kurz vor der Freigabe stehe. Danach wird es dann häufig still. Erneut haben nun US-Forscher in einem Test die Hoffnungen auf eine Pille für den Mann neu entfacht und vermelden erfolgreiche Testergebnisse.

Das erforschte Verhütungsmittel heißt 11-beta-Methyl-19-nortestosteron-Dodecylcarbonat, kurz 11-beta-MNTDC. Dabei handelt es sich um eine modifizierte Form des Testosterons. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Pille, die zwei hormonelle Aktivitäten in einer kombiniert, die Spermienproduktion verringert und gleichzeitig die Libido bewahrt“, wie die Co-Senior-Forscherin der Studie, Christina Wang vom Clinical and Translational Science Institute am Los Angeles Biomed Research Institute (LA BioMed) in Torrance mitteilt.

Männerpille oder Frauenpille

Unter einer Pille für den Mann wird nicht nur ein oral einzunehmendes Präparat verstanden, sondern auch Implantate, Spritzen oder Gels. Alle Verhütungsmethoden befinden sie sich jedoch noch im Versuchsstadium.

Die Pille für die Frau ist ein sicheres Mittel zur Verhütung. Jedoch lässt sie sich als Verhütungsprinzip nicht auf Männer übertragen. Beim Mann wird nicht wie bei der Frau eine Eizelle aufgehalten, sondern 20 bis 150 Millionen Spermien. Grundsätzlich ist der Mann immer fruchtbar, die Frau hingegen nun an wenigen Tagen im Monat.

Untersuchung „Männer-Pille“

In der neuen US-Untersuchung erhielten 10 der 40 Studienteilnehmer eine Placebopille. In der Interventionsgruppe erhielten 14 Männer 200 mg und 16 Männer 400 mg des Wirkstoffs 11-beta-MNTDC in Form von Tabletten einmal täglich mit Nahrung für 28 Tage. Bei ihnen sank der durchschnittlich Testosteronspiegel so weit wie bei einem Androgenmangel.

Nebenwirkungen der US-Pille

Obwohl die Hormonspiegel von Testosteron sanken, blieben laut Forscher schwere Nebenwirkungen dennoch aus. Lediglich bei 4 bis 6 Männern traten laut Wang leichte Nebenwirkungen auf wie etwa Müdigkeit, Akne oder Kopfschmerzen.

5 Männer berichteten über leicht verminderten Sexualtrieb, und 2 Männer berichten von einer leichten erektilen Dysfunktion. Ihre sexuelle Aktivität wurde dadurch allerdings nicht verringert, sagte Wang. Wie erwartet, kam es zu einer signifikanten dosisabhängigen Gewichtszunahme. Auch gab es Auswirkungen auf Hämatokrit- und Cholesterinwerte. Kein Teilnehmer brach aufgrund dieser Nebenwirkungen die Studie ab.

Weitere Forschung notwendig

Der niedrige Testosteronspiegel verursachte deshalb nur minimale Nebenwirkungen, weil 11-beta-MNTDC das Androgen Testosteron im Körper imitiere, aber im Hoden nicht konzentriert genug sei, um die Spermienproduktion zu gewährleisten, wie das Forscherteam mitteilte.

Die Werte von 2 Hormonen, die für die Spermienproduktion benötigt werden, sanken im Vergleich zu Placebo stark. Nach Absetzen der Pille für den Mann stellte sich der normale Hormonspiegel wieder ein, stellte Wang fest. Die Forscher gehen davon aus, dass eine sichere, reversible hormonelle männliche Verhütung etwa in 10 Jahren verfügbar sein sollte. Da das Medikament mindestens 60 bis 90 Tage benötige, um die Spermienproduktion zu beeinflussen, seien 28 Tage Behandlung zu kurz, um eine optimale Spermienunterdrückung zu erzielen, erklärte Wang.

Weiterer potenzieller Wirkstoff

Das US-Forscherteam hatte bereits zuvor eine andere potenzielle männliche Antibabypille mit dem Wirkstoff Dimethandrolon-Undecanoat (DMAU), getestet. Die Ergebnisse wurden 2018 im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism veröffentlicht. Bei 82 gesunden Männern erwies sich DMAU nach 28 Tagen als sicher und nebenwirkungswarm.

Vorsicht vor zu viel Euphorie

Eine Pille für den Mann zu entwickeln, ist eine komplizierte Angelegenheit. Trotzdem stufen Experten hierzulande die Studie aus den USA als interessante Untersuchung ein. Dass eine Männer-Pille grundsätzlich funktioniert, ist schon häufiger gezeigt worden. Beispielsweise wurden dazu an der Uni Halle mehrfach Studien durchgeführt. Prof. Hermann Behre von der Uniklinik sagt zur neuen US-Untersuchung, "dass man damit eine sehr effektive, also sichere Verhütung erreichen kann. So gesehen, ist das ein sehr sinnvoller Ansatz".

Autorin: Gertrud Maria Vaske

 

Datum: 05.06.2019
Rubrik: Service & Wissen
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