Parkinson – Sexualität ein Tabu?

Hilfe bei Sexualproblemen

Parkinson – Sexualität ein Tabu?

Welt-Parkinson-Tag: Bis heute ist die Ursache von Parkinson unbekannt. Früher wurde die Krankheit als Schüttellähmung bezeichnet und ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Die Anzahl der Erkrankten hat sich laut Deutscher Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e.V. hierzulande in den vergangenen Jahren erhöht. Laut Krankenkassen sind derzeit etwa 400.000 Personen an Parkinson erkrankt.

Die Diagnose auf Grund der Symptome ist nicht leicht und kann nur durch einen Facharzt (Neurologe) mit Parkinson-Erfahrung erfolgen. Symptome lassen sich mit Medikamenten behandeln. Doch zahlreiche Studien belegen, dass Sport ebenso wirkungsvoll sein kann. Auch andere Therapien und auch eine bewusste Ernährung helfen, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Vor allem die Psyche und das soziale Umfeld spielen eine wichtige Rolle.

Parkinson und Beziehungen

Nicht nur dem Patienten selbst, sondern auch Menschen aus dem sozialen Umfeld wie Familie, Freunde und Bekannte sind häufig vom Krankheitsverlauf betroffen. Vor allem werden Lebenspartner durch die Diagnose auf eine besondere Probe gestellt. Erkrankte sind mit immer drastischer werdenden Symptomen wie Zittern, Muskelsteifheit und Gang- sowie Gleichgewichtsstörungen oft überfordert.

Viele Partner sind der Belastung durch die Krankheit leider nicht gewachsen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass jede Beziehung wegen Parkinson scheitert. Oft schweißt der schwere Schicksalsschlag das Paar mehr zusammen und intensiviert sogar die Beziehung, weil Fürsorge und das Miteinander wieder gestärkt werden.

Parkinson und Sexualität

Studien ergeben jedoch, dass das Parkinson-Leiden auf vielfache Weise Sexualprobleme auslösen kann. So beeinträchtigen motorische Probleme (Rigor, Tremor, Immobilität im Bett) die Fähigkeit, sich oder den Partner zärtlich und einfühlsam zu berühren und so Lust und sexuelle Erregung auszulösen. Die Wahrscheinlichkeit auf intime Begegnung wird zudem nicht selten verringert, da auf Schlafstörungen häufig getrennte Schlafzimmer eine Folge sind und Partner sich entfernen.

Medikamente steigern zudem die Libido und können sich negativ auf die Sexualität auswirken. Die meisten Parkinson-Kranken benötigen deshalb nicht nur neurologische Betreuung und soziale Unterstützung, sondern auch eine professionelle Sexualberatung für sich und die Partnerschaft.

Sexuelle Begleiterscheinungen

Parkinson-Patienten leiden sehr oft unter ihrer Erkrankung, da sie sich anders wahrnehmen als zuvor. Sie schämen sich für ihre körperlichen Symptome wie etwa Schwitzen, die gestörte Motorik oder Inkontinenz und fühlen sich dadurch weniger leistungsfähig und nicht mehr so attraktiv wie vor der Erkrankung. Darunter leidet in erheblichem Maße das Selbstwertgefühl und Ängste entstehen.

Bei männlichen Patienten kommt es aus diesen Gründen oft zu Potenzschwierigkeiten, die keine organischen Ursachen haben, sondern deren Ursprung in der Psyche liegt. Bei Frauen äußern sich Probleme meistens in einer trockenen Scheide, wodurch die Durchführung des Aktes und damit die Lust am Sex erschwert ist. Über natürliche Begleiterscheinungen der Krankheit und den Umgang mit einer veränderten Sexualität klärt ebenso eine Sexualberatung auf.

Offene Gespräche

Nicht selten ist die Kommunikation zwischen den Partnern beeinträchtigt. Grund dafür ist etwa die eingefrorene Mimik der Patienten oder ihre gestörte Artikulationsfähigkeit. Das führt dazu, dass Gefühle nicht mehr wie früher ausgedrückt werden können. Auch ist die Einnahme von Medikamenten zu berücksichtigen, da sie erheblich in den Dopaminhaushalt eingreifen und somit die Libido in erheblichem Maße steigern.

Eine häufige Folge sind teure Bordellbesuche oder lange Sex-Telefonate, was bei vielen Partnern zunächst auf Unverständnis stößt. Experten wissen, die körperliche Unfähigkeit kann zu enormen Spannungen führen, da Patienten sich schämen, aber gleichzeitig ihr Verhalten nicht ändern können. Der Rat des Arztes ist dringend für beide Partner gefragt, damit Probleme reflektiert und Störungen gezielt behandelt werden.

Neue Wege der Sexualität

Ist die Sexualität beeinträchtigt, kann außerdem mit diversen Hilfsmitteln unterstützt werden, beispielsweise durch eine veränderte Medikamentierung durch den Arzt. Auch verbessern Potenzpillen oder Gleitcremes das Sexualleben wieder. Wichtig kann auch für beide Partner sein, neue Wege in der Sexualität zu gehen, um körperliche Hürden zu überwinden. Experimentierfreude, Fantasie und eine natürliche Einstellung zu Sexualität ohne Hemmungen können dabei helfen.

Zwei Partner mit neuen Rollen

Sexuelle Probleme führen oft zu Stress und Missverständnissen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Partner offen über ihre Sexualität sprechen. Wenn das nur schwer möglich ist, kann ein Paartherapeut helfen, der mit dem Krankheitsbild Parkinson vertraut ist. Schwierige und peinliche Fragen erhalten einen eigenen Raum und Partner werden in neue Rollen einführt, die das Sexualleben wieder möglich und erfüllend machen.

Bewusstsein für Sexualität

Da Sex im Kopf beginnt, kann Offenheit anregend wirken so die Beziehung verbessern. Experten wissen, vor allem langjährige Partnerschaften erhalten durch neue Rollen und Experimentierfreude häufig ein neues befriedigendes Sexualleben. Dabei sind Einfühlsamkeit, Vertrauen und Offenheit beider Partner gefragt.  

Auch Singles mit Parkinson stehen zahlreiche Angebote zur Verfügung, die einen Versuch wert sein können. Einige Eskort-Agenturen haben sich auf den medizinischen Bereich spezialisiert und bringen bereits viel Erfahrung im Umgang mit Parkinson-Kranken mit. Auch das Gespräch mit dem behandelnden Arzt, der Besuch einer Patientenveranstaltung oder Selbsthilfegruppe ist ratsam.

Bedürfnisse äußern

Viele berühmte Personen waren an Parkinson erkrankt wie Theodor Roosevelt, Mao Tse-tung, Leonid Iljitsch Breschnew, Salvador Dali, Muhammad Ali. Die Liste bekannter Parkinson-Patienten zeigt, dass weder Geld noch Macht helfen.

Vielen hilft es jedoch, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken, durch gemeinsames Training zu motivieren und Rücksicht und Verständnis füreinander zu üben. Und bei aller Fürsorge für den Partner sollte vor allem auch auf eigene Bedürfnisse geachtet werden.

Angehörige sollten sich nicht überfordern, stattdessen ihre Bedürfnisse und Wünsche äußern und Entscheidungen in Angriff nehmen. Vielen hilft es auch, gemeinsam mit dem Partner zu entscheiden, wie viel Raum das Thema Parkinson in Ihrem Leben einnehmen darf.

Autorin: Gertrud Maria Vaske

Datum: 11.04.2019
Rubrik: Service & Wissen
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