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Verstanden

Falschinformationen im Netz

Masern - warum Impfgegner sich täuschen

Damit Masern keine Chance mehr haben, müssten 95 Prozent der Bevölkerung geschützt sein. Jetzt hat sich Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery in die Debatte eingeschaltet und im Spiegel eine bundesweite Impfpflicht gefordert. "Eine Impfpflicht in Deutschland wäre aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht absolut sinnvoll".

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat sich daraufhin ebenso für eine Masernimpfpflicht ausgesprochen. Der Staat müsse handeln, wenn das Risiko, in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen Mitmenschen zu gefährden, anders nicht in den Griff zu bekommen sei. Eine Impfflicht einzuführen sei indes "keine leichtfertige Entscheidung", sondern müsse das Ergebnis einer "sorgfältigen Abwägung" sein. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn hält eine Impfung in Kitas und Schulen für sinnvoll.

Impfen als Pflicht

Spätestens bei der Anmeldung zur Schule hätte eine Impfpflicht eine durchschlagende Wirkung, da in Deutschland Schulpflicht herrscht. So würde der Schulbesuch nichtgeimpfter Kinder unmöglich und Eltern hätten mit Konsequenzen zu rechnen. Auch für Lehrer oder Erzieher in Gemeinschaftseinrichtungen könnte eine Impfung dann zur Pflicht werden.

Masern – eine globale Bedrohung

Über eine Impfpflicht wurde in Deutschland bereits wiederholt diskutiert, vor allem nach regionalen Masernausbrüchen wie zuletzt im Raum Hildesheim. Zu einer der zehn größten globalen Gesundheitsbedrohungen hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ablehnung von Impfungen kürzlich erklärt. Vor allem, weil die medizinisch mögliche Ausrottung der Masern durch die in den Industrieländern verbreitete Verweigerung von Impfungen verhindert werde.

Gründe der Impfgegner

In vielen wohlhabenden Industriestaaten breitet sich derweil eine Anti-Impf-Bewegung aus. Die Gründe, warum Menschen sich nicht impfen lassen, sind vielfältig. Häufig fehlt ihnen das Vertrauen in das Gesundheitssystem und das Vertrauen in diejenigen, die Impfungen empfehlen.

Studien hierzulande haben gezeigt, dass in Deutschland besonders oft das Argument Alltagsstress und eine übermäßige Suche nach Informationen dazu führen, dass Menschen die Masernimpfung auslassen. Viele Impfgegner nehmen auch an, sie müssten sich nicht impfen lassen, weil genug andere Menschen schon geimpft sind und ihr eigener Schutz dadurch gewährleistet sei.

Kritische Kombi-Präparate?

Kinder erhalten oft einen Sechsfachimpfstoff, meist in Kombination gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hib und Hepatitis B.. Laut Untersuchungen sind Nebenwirkungen selten und nicht häufiger als bei Einzelimpfungen.

Mit dem Kombinationsimpfstoff braucht es weniger Injektionen und Impftermine, wodurch Schmerzen und Kosten gesenkt werden und Zeit eingespart wird. Harmlose Reaktionen sind etwa Rötungen, Schmerzen und Schwellungen an den Einstichstellen. In Einzelfällen – einer von 10.000 Geimpften – kann es zu einem Fieberkrampf kommen, der folgenlos bleibt.

Falschinformationen im Netz

Problematisch sei auch, dass nach wie vor Falschinformationen gestreut werden. So verbreiten sie beispielsweise die unhaltbare Behauptung, dass es einen Zusammenhang zwischen Masern-Impfungen und Autismus gebe. Eine aktuelle dänische Studie hingegen zeigt, dass dänische Kinder, die nicht gegen Masern, Mumps oder Röteln geimpft wurden, genauso häufig oder selten an Autismus erkranken wie geimpfte Kinder.

Folgekrankheiten durch Maserimpfung?

Zudem ist immer wieder zu lesen, dass Impfungen Erkrankungen verursachen und Informationen darüber verwässert würden. Das Robert Koch-Institut (RKI) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) entgegnen dieses Argument mit dem Hinweis auf die sogenannten "Impfmasern", die eine Nebenwirkung sein können.

Gefürchtete Fälle einer Masern-Hirnhautentzündung sind absolute Ausnahmen und treten nur in Einzelfällen auf, wenn die Masernimpfung während einer unerkannten Erkrankung verabreicht worden ist. Richtig ist, dass der Masernimpfstoff ein abgeschwächtes Masernvirus enthält und bei circa 5 Prozent der Geimpften zu einem masernartigen Ausschlag und Fieber führt. Dabei entwickelt der Körper in der Regel jedoch eine gute Immunität, und eine heftige Masernkrankheit tritt nicht auf.

Aufklärung Kinderkrankheiten

Immer wieder werde außerdem behauptet, dass für die normale Entwicklung eines Kindes das Durchmachen von Krankheiten notwendig sei, damit eine lebenslange gute Immunabwehr vorhanden sei. Das RKI und das PEI erklären dazu, dass es bislang keine wissenschaftliche Studie gäbe, die belege, dass sich nicht geimpfte Kinder besser entwickeln als geimpfte.

Fakt ist: Masern sind eine sehr ernstzunehmende Kinderkrankheit. Es handelt es sich um eine hochansteckende und fieberhafte Virus-Erkrankung, die zu langwierigen Verläufen führen kann. Nach grippeähnlichen Symptomen und Immunschwächung entwickelt sich später Hautausschlag. Eine gefürchtete Folgeerkrankung ist eine Gehirnentzündung. Diese kann tödlich oder mit bleibenden Schäden enden. Mehr Aufklärung für das Impfen fordern auch Forscher weltweit.

(Autorin: Gertrud Maria Vaske)

Datum: 11.06.2019
Rubrik: Service & Wissen
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