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Verstanden

Städte planen Schutz für das nächste Jahr

Eichenprozessionsspinner: Kampfansage für eine Giftraupe

Eine kleine Raupe hat in den letzten Wochen bei Bewohnern, Ärzten und Apotheken für Hochkonjunktur gesorgt und viele Städte Deutschlands sagen ihr nun den Kampf an. Der Grund: Der Raupenkörper ist von gefährlichen Brennhaaren überzogen bis zu 600.000 pro Tier und die können gefährliche gesundheitliche Reaktionen hervorrufen. Im Kreis Kleve wurde die Giftraupe noch nicht besiegt und Städte wie beispielsweise Dortmund arbeiten auf Hochtouren an einer Strategie, damit sie für nächstes Jahr gewappnet sind.

Auch wenn die Saison für Eichenprozessionsspinner bald vorbei ist, will die Stadt auf erneute Vorfälle vorbereitet sein. Schließlich mussten Schulen und Schwimmbad vorrübergehend schließen. Zudem war eine Schule in Castrop-Rauxel betroffen und auch andere Städte haben das Falter-Problem erkannt.

In Hamburg ist der hochgiftige Eichenprozessionsspinner in den Stadtpark eingefallen. Die Behörde hat bereits überall gelbe Warnschilder aufhängen lassen: „Vorsicht, Allergiegefahr"! Und doch gab es erste Spaziergänger mit Hautrötungen.

Warme Lebensbedingungen

Eigentlich stammt die Schmetterlingsart aus Südeuropa. Hierzulande breitet sie sich dank Klimawandel mit milden Wintern und warmen Frühjahren weiter aus. Laut Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kommt sie inzwischen häufig vor in Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Doch auch in Norddeutschland haben sich die Raupen inzwischen weit verbreitet.

Ein kleiner Windstoß genügt, um die feinen Härchen bis zu hundert Meter durch die Luft zu transportieren. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners leben an Eichen-Ästen und Stämmen. Die weißen Gespinste von Eichenprozessionsspinnern ähneln einem weislichen Nest, das am Stamm des Eichen-Baumes hängt. Vermehren sich die Falter jedoch in manchen Jahren stark, weichen sie – wie der Nabu schreibt - auch auf andere Bäume wie Buchen aus.

Achtung giftig

Die Tiere enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Auch wenn sich die Raupen bereits gehäutet und zu harmlosen Faltern geworden sind, bleiben Millionen der Haare in den Nestern zurück.

Wer Nester oder Raupen sieht, sollte sie auf keinen Fall berühren. Das Tragen dicht schließender Kleidung wird empfohlen. Die abgebrochenen, kaum sichtbaren Brennhaare bleiben giftig, auch wenn sie etwa an Schuhen oder Pullovern haften und können noch Jahre später bei Berührung allergische Reaktionen auslösen.

Symptome und Therapien

Wer Beschwerden bemerkt, sollte einen Arzt aufsuchen. Bei Hautkontakt kommt es durch das Nesselgift der Haare zu Hautausschlägen mit intensivem Juckreiz. Am Auge löst das Gift schmerzvolle Bindehautentzündungen aus. Die Einatmung der Härchen verursacht Atemnot, Asthma-Anfälle und kann sogar einen lebensbedrohlichen allergischen Schock auslösen. Der Rettungsdienst sollte in diesem Fall direkt unter 112 angerufen werden.

Kühlen der betroffenen Stellen, antiallergische Medikamente oder Kortison-Salben lindern die Beschwerden. Wer betroffen ist, sollte die Haut und Haare gründlich duschen sowie die Kleidung sofort gründlich in der Maschine waschen oder entsorgen.

Bekämpfung Eichenprozesspinner

Die Bekämpfungder Raupen sollte eigentich im Monat Mai erfolgen, bevor sie sich häuten und dann  gefährliche Haare ausbilden. Experten raten dringend davon ab, selbst Hand anzulegen. Nester sollten nur in Einmal-Schutzbekleidung und mit Atemmaske abgesaugt werden.

Professionelle Schädlingsbekämpfer saugen die Nester mit Industriestaubsaugern ab. Anschließend werden sie in der Erde vergraben oder aber in geschlossenen Anlagen verbrannt.

Kleine haarlose Raupen können zunächst noch mit Gift bekämpft werden. Zum Einsatz kommen Pflanzenschutzmittel oder Häutungshemmer. Ebenso sollen leere verlassene Nester in den Baumkronen beseitigt werden, zumal die Raupenhaare noch nach Jahren giftig sind. Ausgewachsene Falter werden zudem zeitnah neue Nester anlegen. Wer Nester entdeckt, sollte diese umgehend dem ortsansässigen Gesundheits- oder Gartenamt melden.

Natürliche Fressfeinde und Wirkstoffe

Die Dortmunder Stadtverwaltung lehnt Hubschrauber-Einsätze mit sprühbaren Bioziden bislang abgelehnt. In den nächsten Monaten will sie jedoch eine nachhaltige Strategie gegen den Eichenprozessionsspinner erarbeiten wie etwa natürliche Fressfeinde anzusiedeln. Dazu zählen unter anderem Vögel wie Kuckuck oder Meise.

Der Landkreis Gifhorn setzten hingegen inzwischen Bakterien gegen die Raupen ein. Hubschrauber sprühen einen biologisch abbaubaren Wirkstoff mit dem für Menschen ungefährlichen Bakterium Bacillus Thuringiensis auf die befallenen Eichenblätter und Stämme. Darüber fressen die Raupen den Wirkstoff und trocknen danach aus. Experten hoffen so den Bestand des Eichenprozessionsspinners um bis zu 70 Prozent reduzieren zu können.

(Autorin: Gertrud Maria Vaske)

 

Datum: 18.07.2019
Rubrik: Service & Wissen
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