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Verstanden

Die bislang umfangreichste Metaanalyse zum Thema Testosteron für Frauen

Sexuelles Wohlbefinden mit Testosteron?

Die Gabe des Geschlechtshormons Testosteron verbessert das sexuelle Wohlbefinden bei Frauen nach den Wechseljahren. Das zeigt eine große Metaanalyse, die im Fachblatt "The Lancet Diabetes & Endocrinology" erschienen ist. Dabei sollten allerdings nicht orale Arzneiformen bevorzugt werden. Das oft als das männliche Hormon beschriebene Testosteron spielt auch für die weibliche Sexualität eine entscheidende Rolle – und seine Konzentration nimmt (wie bei den Männern) im Alter ab

Die bislang umfangreichste Metaanalyse kommt zu einem klaren Ergebnis, denn die Autoren schreiben: Die Substitution verbessert das sexuelle Wohlbefinden postmenopausaler Frauen signifikant. Lust, Funktion und Vergnügen verbessern sich. Auch für den Stoffwechsel, die Muskelkraft, Kognition und Stimmung ist Testosteron wichtig.

Männerpräparate für Frauen

Das Wissen um die Testosteron-Wirkung und Nebenwirkungen bei Frauen ist bislang eher dürftig. Das Problem: Die erhältlichen Präparate wurden für Männer entwickelt und getestet und nicht für Frauen.

Das Forscher-Team um Professor Dr. Susan Davis von der Monash-Universität in Australien werteten nun 46 Berichte zu 36 Studien mit insgesamt 8480 Teilnehmerinnen im Alter von 18 bis 75 Jahren aus. Davon waren 95 Prozent postmenopausal.

Libido-Verlust durch Stress

Fast jede dritte Frau im mittleren Lebensabschnitt erfuhr einen Lustverlust assoziiert mit Stress. Mit Testosteron-Behandlung stieg die Häufigkeit befriedigender sexueller Ereignisse. Auch das Selbstbild verbesserte sich und das Wohlbefinden stieg insgesamt wieder an.

Positive Effekte auf die Kognition, Knochendichte, Körperzusammensetzung, Muskelstärke oder Depressionen konnten hingegen nicht beobachtet werden.

Nebenwirkungen von Testosteron

Die Ergebnisse ergaben ein unverändertes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Bei weiteren unerwünschten Ereignissen kam es auf die Applikationsform an. Orale Präparate wirkten sich negativ auf den Cholesterinspiegel aus, was bei nicht oralen Arzneiformen nicht festgestellt werden konnte.

Laut Wissenschaftler gab es auch keine schwerwiegenden Nebenwirkungen für die Frauen, ebenso Auswirkungen auf die Glucose- und Insulin-Spiegel im Blut, den Blutdruck oder auf die Brust. Allerdings reichten die Daten noch nicht für eine klare Risikoeinschätzung des Brustkrebsrisikos aus. Hierfür seien weitere Studien nötig.

In fünf Studien mit insgesamt 2032 Patientinnen trat als Nebenwirkung eine leichte Gewichtszunahme auf. Auch wurden Haarverlust und Akne beobachtet. Jedoch brachen aufgrund dieser unerwünschten Wirkungen genauso viele Frauen in der Testosteron- wie in der Placebo-Gruppe die Therapie ab.

Weniger konzentrierte Geschlechtshormone für Frauen

Davis teilte mit: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es Zeit ist, Testosteron-Therapien maßgeschneidert und für postmenopausale Frauen zu entwickeln, statt diese mit den hoch konzentrierten Formulierungen für Männer zu behandeln“.

Weiter erklärte sie in der Pressemitteilung, dass in keinem Land bislang Testosteron-Präparate speziell für Frauen zugelassen seien und es auch keine internationalen Leitlinien für die Anwendung bei Frauen gebe. Sie fordert „Angesichts der Vorteile, die wir für das Sexualleben und das persönliche Wohlbefinden von Frauen gefunden haben, brauchen wir dringend neue Leitlinien und neue Formulierungen“.

(gmv)

 

Datum: 19.08.2019
Rubrik: Service & Wissen
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