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Verstanden

Warum ein gewisses Einkommen glücklich macht

Glücklichsein mit Spenden

Das Geld für sich selbst verfeiern, ausgeben oder lieber an andere verschenken, vielleicht sogar für etwas sinnvolles? Wie glücklich sind Menschen, wenn sie häufiger spenden oder Geschenke verteilen? Genau das haben zwei US-Forscher untersucht. O’Brien und Samantha Kassirer haben festgestellt, die Freude, die bei einem erstmaligen Geldgeschenk empfunden wird, sinkt zunehmend, je häufiger sich die Zuwendung wiederholt. Anders ist dies bei Presenten für einen guten Zweck.

Die beiden Wissenschaftler wollten wissen, ob dieser Gewöhnungseffekt auch dann eintritt, wenn Personen ein Geldgeschenk nicht für sich selbst, sondern für andere ausgeben. Sie erhielten verblüffende Erkenntnisse. Die Freude über das Geld ist länger anhaltend, wenn diese Personen anderen helfen. Damit macht Hilfe für andere glücklich.

Hedonistische Tretmühle

Spenden bringt sozusagen Spaß. Und: die Freude am Gehalt hält länger an, wenn das Geld, zumindest zum Teil, für andere ausgegeben wird. Und die Freude, die bei einer erstmaligen Geldspende empfunden wird, sinkt zunehmend, je häufiger sich die Zuwendung wiederholt.

Dafür gibt es auch einen Fachbegriff: Forscher benennen dies als „hedonistischen Tretmühle“, wenn sie den Effekt meinen, der nicht nur bei Geld, sondern auch bei anderen Geschenken eintritt. Manche sprechen auch von hedonistischer Adaption. Darunter versteht man die Tendenz von Menschen, die nach einem stark positiven oder negativen Lebensereignis recht schnell wieder zu einem relativ stabilen Level von Glück zurückkehren.

Teile des Gehalts abgeben

In der aktuellen US-Untersuchung kam zur Glücksforschung von Spenden heraus. Je häufiger das Geschenk kommt, desto weniger freuen die Empfänger sich darüber. Dahinter steht eine einfache Erklärung: Die schwindende Erregung durch das Geschenk hat den Sinn, dass Menschen sich wieder neuen Zielen widmen. Dies wiederum kann sich positiv auf die persönliche Weiterentwicklung auswirken und drückt sich zunächst erst einmal auf das Glücksempfinden aus.

Warum also genau freuen sich Geschenke-Empfänger weniger, je häufiger ein Geschenk kommt? Um hierfür eine Antwort zu finden, wurden mehrere Versuche gestartet. Darin erhielten zwei Gruppen Geldgeschenke. Die eine Hälfte der Teilnehmer musste über mehrere Tage das Geld für sich selbst ausgeben. Die andere Gruppe bekam Geschenke ausschließlich für einen guten Zweck. Danach sollten alle Teilnehmer ihr persönliches Glücksgefühl beschreiben.

Das Positivgefühl nahm bei der Gruppe stetig ab, die sich selbst beschenkte. Bei der anderen Gruppe hingegen bliebt das Gefühlshoch jedoch gleich groß. Im nächsten Testversuch lösten beide Gruppen jeweils zehn Aufgaben. Wenn diese korrekt beantwortet wurden, erhielten sie einen Bonus. Die eine Hälfte spendete ihren Gewinn, die andere behielt ihn. In beiden Gruppen sank die Freude über die zusätzliche Zahlung, jedoch bei denen, die gespendet hatten, weniger stark.

"Glückauf" durch Wohltätigkeit

Die Ergebnisse legen den Wissenschaftlern zufolge als Erkenntnis nahe, dass die durch eine positive Erfahrung empfundenen Glücksgefühle bei wiederholtem Erleben potenziell abnehmen. Der Effekt wirkt jedoch weniger stark und Menschen bleiben glücklicher, wenn ihre Handlungen zum Wohle anderer Personen beitragen.

Dahinter könnte der Wunsch nach Zugehörigkeit stehen, der jedoch durch egoistisches Verhalten weniger befriedigt wird. Sicher sind sich die Forscher da aber noch nicht. Ebenfalls denkbar sei, dass Menschen es schneller als langweilig empfinden, täglich das Gleiche zu kaufen, als täglich einen Geldbetrag zum Wohle anderer auszugeben. So oder so: Prosoziales Verhalten fördert das Glücksgefühl.

Zufriedenheit durch Einkommen

In diesem Zusammenhang stellen sich Menschen oft die Frage: Macht Geld glücklich? Hierzu gibt es zahlreiche Studien und die Antwort wird klar verneint. Zusätzliches Geld für Reisen oder für andere Dinge auszugeben, schafft hingegen ein gewisses Maß an Zufriedenheit. Muss man sich jedoch häufig Sorgen um lebenserhaltene Ausgaben wie Miete machen, ist man weniger zufrieden. Bekannt ist allerdings auch, dass ein zu hohes Gehalt Gutverdiener unter Druck setzt, zumal sie häufig auch sehr viel Verantwortung tragen und deutlich mehr arbeiten. Topverdiener haben oft auch weniger Freizeit und das schlägt aufs Gemüt.

Wie hoch muss also das Gehalt sein, damit Menschen glücklich sind? 30.000 Euro, 60.000 Euro oder 120.000 Euro im Jahr? Diese Frage schien bislang nie eindeutig geklärt. Forscher haben vergangenes Jahr herausgefunden, ab wann das Glücksempfinden stagniert.

Jeder hat natürlich einen anderen Maßstab. So gibt es Menschen, die ziehen sich gern in die Natur zurück und brauchen kaum Geld. Andere wiederum leben in vergoldeten Penthouse-Wohnungen. Für sie gibt es nach oben hin keine Grenzen. Trotz Ausnahmen lässt sich dennoch sagen: Ab einer bestimmten Jahresgehaltssumme wird man nicht glücklicher.

Glück mit dem idealen Gehalt

Bei 60.000 Euro Einkommen im Jahr steigt das Glücksempfinden nicht mehr. Das fanden Forscher wie Angus Deadon heraus. Er erklärte: „Ab einem bestimmten Gehalt ist es Menschen nicht mehr möglich, das zu tun, was für das emotionale Wohlbefinden am meisten zählt“. Laut dem Ökonom und dem Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman kann sogar eher Gegenteiliges behauptet werden.

Für ihre Vermutung nutzten sie die Theorie des abnehmenden Grenznutzens und veranschaulichen diese in einfacher Form. Wenn eine erste Spaghetti-Portion noch glücklich stimmt, kann der fünfte Nachschlag auch zu Magenschmerzen führen. Das, so behaupten die Forscher, gelte tatsächlich auch für Geld. Wer über 60.000 Euro im Jahr verdient, so ergaben die Forschungen, verzeichnet keinen Glücksgewinn mehr, selbst wenn die Studienteilnehmer über 120.000 verdienten.

Deaton hat auch eine Erklärung dafür wie die Bild-Zeitung berichtete: „Vielleicht ist das die Schwelle, über der es Menschen nicht mehr möglich ist, das zu tun, was für das emotionale Wohlbefinden am meisten zählt: Zeit mit der Familie verbringen, Krankheit und Schmerz vermeiden oder die freie Zeit genießen".

Wege des Glücks

Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stellten zudem fest, wer glücklich ist, spendet mehr. Im Rahmen einer Langzeitstudie haben sie die Spendenbereitschaft der Deutschen im Jahr 2009 untersucht, unter anderem auch auf emotionale Motive.

Damals konnte man jedoch noch nicht beantworten, ob Spenden an sich auch glücklich macht. Die aktuelle 2019-Untersuchung der beiden US-Forscher bestätigt nun, dass Spenden oder das Verteilen von Geschenken ebenso Wege zum Glück sind.

(gmv)

Datum: 22.08.2019
Rubrik: Service & Wissen
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