Fitnessarmbänder – Chance oder Risiko?

Apple Watch-Studie und Herzrhythmusstörung

Fitnessarmbänder – Chance oder Risiko?

Sie enthalten innovative Technologie. Je nach Modell können digitale Fitness Tracker oder Smart Watch täglich Schritte zählen, Sport-Aktivitäten aufzeichnen, Puls und Herzfrequenz messen oder das Schlafverhalten analysieren. Doch können sie auch den Rhythmus des Herzens beurteilen? Inwieweit kann eine Digitaluhr Patienten sogar vor Schlaganfällen schützen? Eine Apple Watch-Studie zeigt dazu jüngste Datensammlungen in Eigenregie.

Die Ergebnisse der Studie wurden auf dem diesjährigen Treffen des American College of Cardiology in New Orleans vorgestellt. Ein Forschungsteam der Stanford University School of Medicine stellte bei derUntersuchung fest, dass die Nutzung der Apple-Watch zu einer verbesserten Erkennung eines unregelmäßigen Herzschlags führen könnte.

Technologie mit großem Potenzial

Die Studie testete, wie solche Technologien auf evidenzbasierte Weise eingesetzt werden können. Die Forscher merken an, die Verwendung der Daten von Alltagsgeräten bei der Behandlung von Patienten sollte jedoch mit Vorsicht geschehen. Generell habe diese Technologie-Art aber ein großes zukünftiges Potenzial.

„Die Leistung und Genauigkeit, die wir in dieser Studie beobachteten, liefern wichtige Informationen, um die möglichen Auswirkungen von tragbarer Technologie auf das Gesundheitssystem zu verstehen”, erklärt Studienautor Professor Marco Perez von der Stanford University in der Pressemitteilung. Branchenkenner wissen, Vorhofflimmern ist erst der Anfang. Weitere Untersuchungen über tragbare Technologien und deren Einsatzmöglichkeiten werden folgen, denn dahinter steckt ein riesiger Markt.

Studienergebnisse der Digitaluhr

420 000 Menschen haben an der Studie teilgenommen, darunter auch Ärzte der Stanford-Universitätsklinik. Das Ergebnis: Rund 0,5 Prozent der Teilnehmer, vor allem bei den älteren, meldete die digitale Uhr tatsächlich einen nicht regelmäßigen Pulsschlag.

Nur in jedem dritten Fall bestätigte ein anschließendes EKG jedoch den tatsächlichen Verdacht auf Vorhofflimmern. Das Problem ist: Herzrhythmusstörungen treten meist nur in Episoden auf. Das Gerät zeichnet also nicht unbedingt genau dann auf, wenn es notwendig wäre, oder wenn der Arzt ein EKG aufzeichnet.

Keine typischen Patienten

Die Mehrheit der Studienteilnehmer entsprach zudem nicht dem typischen Vorhofflimmern-Patienten. Laut Studie tritt der um die 40 Jahre ein und hat keine Symptome einer Herzkrankheit. Die ärztliche Vorhofflimmer-Leitlinie empfiehlt allerdings eine Untersuchung auf die Störung ohne Verdacht nur Menschen ab 65 sowie allen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben.

Diese-Patienten erhalten meist gerinnungshemmende Medikamente und die bergen häufig Risiken. Insofern ist der Nutzen für jüngere Menschen noch unklar, zumal durch die Geräte auch Verunsicherung unter Nutzern entstehen kann, wissen Experten.

Wie Digital-Uhren funktionieren?

Die untersuchende Uhr enthält auf der Rückseite eine Diode und sendet durch die Haut Licht. Anhand der Reflexion durch die kleinen Blutgefäße lässt sich der Abstand zwischen zwei Herzschlägen messen. Ist der Puls ohne äußeren Anlass unregelmäßig, gilt das als mögliches Anzeichen für Vorhofflimmern.

Viele Digitaluhren ermöglichen inzwischen eine einfache EKG-Messung. Die Erhebung weiterer Herzparameter oder die Messung des Blutzuckergehalts ohne Nadelpikser sind weitere Zukunftsvisionen in der Branche.

Digitales Gold ist begehrt

Self-Tracking: Intelligente Digitaluhren und andere Mini-Computer sammeln zunehmend mehr Daten über die Gesundheit von Menschen. Davon profitieren vor allem die Hersteller und Produkt-Betreiber. Branchenkenner wissen längst, Patientendaten sind begehrt, denn damit sind Konzerne in der Lage, Erkrankten speziell auf sie zugeschnittene individuelle Angebote zu senden, von denen die Unternehmen zusätzlich profitieren könnten.

Eine Herzrhythmusstörung ist für rund ein Viertel aller Schlaganfälle verantwortlich. Häufig spüren Betroffene jedoch nichts davon. Für das US-Unternehmen Apple dürfte auch das ein Anlass sein, zu überprüfen, ob die eigene Uhr tatsächlich Vorhofflimmern, die häufigste Herzrhythmusstörung erkennt oder nicht.

Datensicherheit und Fehltherapien

Die Verwendung der Patienten-Daten sollte grundsätzlich mit Vorsicht geschehen. Zudem gilt, Zahlen oder Verdachte können Verbraucher in die Irre führen oder verunsichern. Daten sollten sicher sein. Wenn diese wahllos erhoben werden, kann dies zu massiven Irritationen bei allen Beteiligten führen, nicht nur für Betroffene, sondern auch bei Ärzten.

Beispiel Fehlalarm: Was ist, wenn die Anzeige auf dem Gerät doch keine Herzrhythmusstörung war, und wer trägt die Folgekosten? Nicht selten sind Patienten zudem mit Daten alleingelassen. Datenmengen bringen nicht nur Chancen, sondern enthalten auch Risiken, beispielsweise für Fehltherapien. Auch sollte nicht vergessen werden, dass besonders Studien, die allein unter Regie des Herstellers durchgeführt werden, grundsätzlich kritisch zu lesen sind.

Mehr Informationen zum Thema gibt es unter Smart Watch oder in der Sendung: Gesund TV mit dem Titel Sportler unter Strom

(gmv)

Datum: 29.08.2019
Rubrik: Service & Wissen
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