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Verstanden

Volkskrankheit: Heute ist weltweiter Kopfschmerztag

Kopfschmerzen – das stille Leiden

Drückend, hämmernd, krampfend oder dauerhaft? Kopfschmerzen gehören zu den Gesundheitsproblemen Nummer eins weltweit. Laut der Techniker Krankenkasse (TK) leiden derzeit hierzulande mehr als 54 Millionen Menschen unter gelegentlichen oder chronischen Kopfschmerzen. Laut Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) aus dem Jahre 2016 litten drei Millionen Erwachsene in Deutschland sogar täglich unter dieser Schmerzform. Seitdem haben die Zahlen, so Fachleute, erschreckenderweise zugenommen.

Vor allem für junge Erwachsene stellen Kopfschmerzen eine schwere gesundheitliche Belastung dar. 2017 litt und ein Viertel 18- bis 29-Jährigen mindestens einmal im Monat an Kopfschmerzen. Experten unterscheiden über 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Doch wie viele Hausärzte kennen sich tatsächlich richtig gut mit Kopfschmerzen aus? Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) richtet sich mit einer neuen Kampagne an alle, die Kopfschmerzpatienten versorgen wollen, vor allem an Hausarztpraxen, zumal bei der Patientenversorgung diesen eine zentrale Funktion zukommt.

Gemeinsame Kampagne Kopfschmerz-Attacken

Zum heutigen Kopfschmerztag 2019 startet die DMKG bundesweit eine Initiative „Attacke - gemeinsam gegen Kopfschmerzen“. Damit will sie in den kommenden Jahren auf die unterschätzte Volkskrankheit, ihre gesellschaftlichen Folgen sowie die Probleme von Millionen Betroffenen aufmerksam machen und vor allem Ärzte von Hausarztpraxen mit einbeziehen. Noch immer werden rund 40 Prozent aller Migränefälle nicht diagnostiziert und somit auch nicht fachgerecht behandelt.

„Unser zentrales Anliegen ist es, dass alle Patienten, die wiederholt unter Kopfschmerzen leiden und Hilfe benötigen, schnell die richtige Diagnose und eine wirksame Therapie erhalten“, sagt Privatdozentin Dr. med. Stefanie Förderreuther, Präsidentin der DMKG. „Gleich, ob Migräne, Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerz oder Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch: für eine zufriedenstellende Versorgung dieser Millionen Betroffenen muss sich in Deutschland noch vieles zum Besseren wenden“, so die Neurologin.

Kopfschmerzen richtig behandeln und Notfälle erkennen

„Jeder Kopfschmerz kann ein Notfall sein“. Das weiß auch Dr. Ozan Emre Eren, Assistenzarzt für Neurologie, Notfall- und Kopfschmerzambulanz. In erster Linie bedeutet Kopfschmerz das Symptom von Schmerzen im Kopfbereich und die kennzeichnen nicht selten auch Notfälle.

In der Forschung werden primäre Kopfschmerzen von sekundären unterschieden. Während letztere als Folge anderweitiger Erkrankungen wie Infekte, Kopfverletzungen, Fehlsichtigkeit oder Ähnlichem verstanden werden, sind die weitaus häufiger vorkommenden primären Kopfschmerzen eigenständige Beschwerden. Dazu zählen die Migräne und der Spannungskopfschmerz, wobei Frauen nahezu doppelt so häufig betroffen sind wie Männer.

Vorsicht Schmerzmittel und Medikamentenvergabe

85 Prozent der Betroffenen, die regelmäßig unter Kopfschmerz leiden, nehmen Schmerzmittel ein. Der Wirkstoff Ibuprofen wird dabei, laut Statista, am häufigsten eingeno Aber auch bei Ärzten ist Ibuprofen der beliebteste Wirkstoff gegen Kopfschmerzen, der häufig von ihnen verschrieben wird. Als die gängigsten Therapien werden neben Schmerzmitteln vor allem viel Trinken, Schlafen und vor allem Ruhe verordnet.

Trotz Kritik werden Schmerzmittel in den letzten Jahren immer beliebter. Die Hemmschwelle, den Schmerz schnell und effektiv medikamentös zu bekämpfen, sinkt derzeit in Deutschland nach und nach. So hat sich die Anzahl der Menschen, die mindestens einmal pro Woche zu Schmerzmitteln gegen Kopfschmerzen greifen, laut Statista, in den letzten zehn Jahren um rund 3,7 Millionen auf insgesamt 22, 78 Millionen Menschen im Jahr 2018 erhöht. Und das, obwohl hoher regelmäßiger Schmerzmittelkonsum massiv die Nieren angreift und nachhaltig schädigt.

Für Migräne ist eine neue Generation von Medikamenten entwickelt worden: die Triptane. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören beispielsweise Empfindungsstörungen, Schwindel, Müdigkeit, Blutdruckanstieg, Herzklopfen und gastrointestinale Störungen.

Triptane wirken wie der körpereigene Botenstoff Serotonin. Er filtert quasi am Gehirn die Schmerzreize. Gäbe es diesen Filter nicht, würde das Gehirn auf jeden noch so kleinen Schmerzreiz viel zu stark reagieren. Auch ihre Einnahme sollte immer mit einem Arzt abgesprochen werden, vor allem, wenn die Migräne-Attacke zum ersten Mal auftritt. Denn Triptane wirken nur bei Migräne und nicht bei primären Kopfschmerzen.

Viele Auslöser für Kopfschmerzen

Jede Form von Kopfschmerz muss anders behandelt werden. Die Betroffenen unterteilen sich dann nochmals durch die Unterscheidung in tägliche (30%) und anfallsweise bzw. chronische (70%) Kopfschmerzen. Inwieweit "der Kater" nach alkoholreicher Nacht mit einbezogen wurde, lassen die Statistiken offen.

Wenn man Betroffene nach Auslösern ihrer Kopfschmerzen befragt, so wird am häufigsten Stress genannt. Auch zu lange Bildschirmzeiten, Lärm und psychosomatische Ursachen werden häufig als Ursache ausgemacht oder zu wenig Ruhe und Schlaf sowie Flüssigkeitsmangel.

Hohe finanzielle Verluste durch Migräne

Kopfschmerzen haben zudem eine hohe wirtschaftliche Seite. Wer unter Kopfschmerzen leidet, kann nicht arbeiten. Laut DMKG geht man allein bei der Migräne in Deutschland anhand der vorliegenden epidemiologischen Studien derzeit von 8 bis 10 Millionen Betroffenen aus.

Durch Migräne entstehen hierzulande jedes Jahr viele Milliarden direkte und indirekte Krankheitskosten, zudem ein hoher Wertschöpfungsverlust von rund 150 Milliarden Euro. „Unsere Volkswirtschaft verliert durch diese häufige Kopfschmerzerkrankung jährlich wahrscheinlich mehr als 30 Millionen Arbeitstage“, so die Neurologin Förderreuther.

Experten hoffen, wenn Kopfschmerzpatienten rechtzeitig erreicht würden, bevor der Kopfschmerz chronisch wird, wäre ein Großteil der Volkskrankheit besiegt. Ihnen und ihren Angehörigen würde zudem viel Leid erspart und auch die Gesellschaft könnte profitieren: Weniger Milliardenkosten durch Arbeitsausfall sowie unnötige Therapien. Auch könnten Betroffene länger arbeiten, da sie sich nicht wegen geschädigter Nieren durch zu hohe Schmerzmitteleinnahme vorzeitig in den Ruhestand verabschieden müssten.

(Autorin: Gertrud Maria Vaske)

Datum: 05.09.2019
Rubrik: Service & Wissen
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