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Verstanden

Homöopathie bleibt Kassenleistung - Kritiker sehen das skeptisch

Spahn findet Homöopathie auf Kassenkosten "okay"

Warum sollen Krankenkassen die Kosten für homöopathische Arzneien nicht zahlen? Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beendet diese Diskussion und will umstrittene Kostenübernahmen für homöopathische Arzneimittel durch die Krankenkassen nicht anrühren. Am Abend verwies er beim „Berliner Salon“ des Redaktionsnetzwerks Deutschland darauf, dass die gesetzlichen Kassen bei Arznei-Ausgaben von rund 40 Milliarden Euro im Jahr etwa 20 Millionen für Homöopathie zahlten. Darüber könne man emotional diskutieren und dabei vielen vor den Kopf stoßen. Oder man könne sich fragen, ob es das angesichts der gesamten Größenordnung wert sei. Er habe sich entschieden, es sei „so okay“.

Homöopathie gehört nicht zu den festgelegten Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen. Da es jedoch Nachfrage gibt, erstatten viele Kassen Versicherten Behandlungskosten für Naturheilverfahren. Branchenkenner wissen, dass auch bei den Krankenkassen Konkurrenzkampf herrsche. So versuche jede im gewissen Maße ein verbraucherfreundliches Angebot zu schaffen.

Placebo-Effekte für Kinder und andere

Doch gibt es Studien, die die Homöopathie nachweislich als wirksam einstufen? Nach Homöopathie-Experten-Meinung läßt sich grundsätzlich die Alternativheilkunde nicht mit klassischen klinischen Studien überprüfen. Und so lehnen es manche Homöopathie-Befürworter ab, klinische Studien für ihre Argumentation heranzuziehen. Für sie besitzen Studien im Fall der Homöopathie keine Aussagekraft. Schließlich versuchen Homöopathen immer genau das Präparat zu finden, das jeweils zum Erkrankten passt. So erhalten zwei Menschen, die beide über Kopfschmerzen klagen, nicht unbedingt das gleiche Mittel.

Überzeugte Nutzer verweisen zudem oft darauf, dass Homöopathie auch bei Kleinkindern und Tieren wirke. Und diese wüssten oft gar nichts von der Behandlung wie beim Placeboeffekt. Eine Studie des Mediziners Ted Kaptchuk von der Harvard University ergab, dass Placebos sogar dann helfen können, wenn Patienten wissen, dass es sich um ein Scheinmedikament handelt.

Bei Kindern und Tieren gibt es einen weiteren Wirkmechanismus, der sich "placebo by proxy" nennt. Hier vermittelt eine andere Person, nämlich die, die an den "Heil-Effekt" glaubt, diese Positiv-Wirkung an die zu heilende Person. Beispiel Eltern: Sie benehmen sich nach Vergabe des Mittels oft entspannter, was sich günstig auf den Krankheitsverlauf der Kinder auswirkt. Studien belegen die Placebowirkung durch nahestehende Personen hinlänglich. Insofern scheint Spahns „okay“ dann doch okay zu sein?

Homöopathie Streit in Deutschland und Frankreich

Über die Erstattung der Homöopathie-Kosten wurde in Deutschland seit längerem heftig gestritten. Kritiker mahnen weiterhin an, dass es nicht ausreichende wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Mittel gebe. Das sieht auch SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach so. Er will gesetzlichen Krankenkassen die Kostenerstattung für Homöopathie künftig untersagen.

In Frankreich sollen homöopathische Arzneimittel ab 2021 nicht mehr erstattet werden. Die Oberste Gesundheitsbehörde (HAS) hat, wie sie mitteilte, neun Monate lang homöopathische Mittel geprüft und wissenschaftliche Publikationen analysiert. Eine Wirksamkeit konnte auch ihre Auswertung nicht erbringen. Die HAS betonte, dass die Homöopathie-Anwendung die medizinisch erforderliche Behandlung bei schwerwiegenden fortschreitenden Krankheiten nicht verzögern oder verhindern sollte.

 (gmv)

Datum: 18.09.2019
Rubrik: Service & Wissen
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