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Verstanden

Krankenstand in Deutschland steigt

Digitale Krankmeldung statt „gelber Schein“?

Wer krank ist, musste seine Krankschreibung vom Arzt bisher selbst beim Arbeitgeber einreichen. Das will die Bundesregierung nun ändern: Die Papierform „Gelber Schein“ soll abgeschafft werden und ab dem 1. Januar 2021 durch eine elektronische Bescheinigung ersetzt werden. Das sieht ein Gesetzentwurf von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) für weniger Bürokratie vor. Das Kabinett will dazu eine digitale Lösung auf den Weg bringen. 

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bereits eine Neuregelung auf den Weg gebracht, wonach Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen ab 2021 von den behandelnden Ärzten an die Krankenkassen nur noch digital übermittelt werden. Diese Regelung soll nun dadurch ergänzt werden, dass die Bescheinigung auch an den Arbeitgeber digital versendet wird. Das Gesetz könnte schon Anfang 2020 in Kraft treten, wenn der Bundestag und der Bundesrat zeitnah zustimmen.

Mehr Krankmeldungen in 2019

Laut der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wurden im Jahr 2017 rund 77 Millionen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausgestellt. Wie die Statista-Grafik zeigt, ist der durchschnittliche Krankenstand in Deutschland in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Im Jahr 2018 lag er bei 4,28 Prozent, in 2019 bisher bei 4,45 Prozent.

Erste digitale Versuche

Bei der Techniker Krankenkasse gibt es bereits ein Pilotprojekt für eine digitale Krankmeldung, welche künftig für alle gesetzlich Versicherten gelten. Danach würden die Krankenkassen den Arbeitgeber elektronisch über Beginn und Dauer der Arbeitsunfähigkeit seines gesetzlich versicherten Arbeitnehmers informieren.

Wer sich bisher vom Arzt krankschreiben lässt, bekommt eine Bescheinigung auf gelbem Papier, woraus volksprachlich der Name "gelber Schein" entstand. Die Krankmeldung besteht aus mehreren Bescheinigungen. Eine Fassung muss im Original an den Arbeitgeber geschickt werden, die andere an die Krankenkasse. Eine weitere Kopie ist für die persönlichen Akten bestimmt. Durch die neue Regelung werden künftig die Arztpraxen die Krankenkassen elektronisch über die Krankschreibung informieren. Diese reichen die Bescheinigung anschließend an den Arbeitgeber weiter. Dies soll für alle gesetzlich Versicherten gelten.

Kritiken zur digitalen Krankschreibung

Die geplante digitale Krankschreibung ist Teil eines Entwurfs für ein drittes Bürokratieentlastungsgesetz. Spitzenverbänden der Wirtschaft kritisieren die Pläne. "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer - und ein digitaler gelber Schein noch kein Bürokratieentlastungsgesetz", sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes BDA, Steffen Kampeter, der Nachrichtenagentur dpa.

Einen Vorteil hat die digitale Krankschreibung ebenfalls: Beschäftigte sparen das Porto, wenn sie in Zukunft die Atteste nicht mehr mit der Post an die Krankenkasse oder zum Arbeitgeber schicken müssen.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird ab dem vierten Tag der Erkrankung notwendig. Arbeitgeber können jedoch auch schon vorher ein Attest verlangen, ohne dass sie dafür Gründe nennen muss. Nach einem Urteil aus 2012 vom Bundesarbeitsgericht darf er damit einen Beschäftigten weder schikanieren oder diskriminieren.

(gmv)

Datum: 19.09.2019
Rubrik: Service & Wissen
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