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Verstanden

Bei den Zwölfjährigen ist jeder Dritte betroffen

Kreidezähne - Zahnärzte warnen vor neuer Volkskrankheit

Deutsche Zahnärzte schlagen Alarm. Gelbbraune Flecken, bröckelnder Zahnschmelz: Die neue Zahn-Volkskrankheit heißt im Fachjargon: Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH). Die Ursache ist noch unbekannt. Klar ist, die Erkrankung entsteht nicht wie bei Karies aufgrund von mangelnder Zahnpflege. Das Phänomen der teils porösen Zähne tauchte offenbar erstmals erst Ende der 1980er-Jahre auf und verbreitet sich seither rasant.

In bestimmten Altersgruppen bei Kindern und Jugendlichen liegt ihr Auftreten inzwischen höher als das von Karies wie Prof. Dr. Norbert Krämer, Präsident der DGKiZ (Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin) betont. Immer mehr Kinder leiden unter solchen porösen Zähnen, bei den Zwölfjährigen ist fast jedes dritte Kind betroffen. Die Quote beträgt laut der Deutschen Mundgesundheitsstudie 28 Prozent.

Kreidezähne und Symptome

Solche "Kreidezähne" sind äußerst schmerzempfindlich und reagieren sehr sensibel auf Hitze, Kälte und Zähneputzen. Oft klagen Kinder über Beschwerden wie starke Schmerzen beim Putzen und Essen und sind bei der Pflege ganz verunsichert, da jedes Putzen schmerzt. Der Gang zum Zahnarzt bringt Klarheit: Diagnose MIH. Damit liegt eine systemisch bedingte Strukturanomalie primär des Zahnschmelzes vor, die auf eine Mineralisationsstörung zurückzuführen ist. Kreidezähne haben weißlich-cremefarbige bis gelblich-braune Flecken. Je dunkler die Farbe ist, desto poröser ist der Zahnschmelz. Oft betrifft MIH einen oder mehrere Backenzähne. Seltener hingegen tritt der poröse Schmelz bei Schneide- oder Milchzähnen auf.

Foto: Norbert KrämerOb ein Kind unter MIH leidet, lässt sich am besten im Alter von etwa acht Jahren feststellen. In diesem Alter hat der Körper meist alle Backen- und Schneidezähne vollständig in die Mundhöhle gebracht. Gelangt ein Zahn gesund in die Mundhöhle, besteht keine Gefahr mehr. In schweren Fällen können sich die Probleme jedoch auch schon früher bemerkbar machen, wenn die Zähne den Kiefer durchbrechen.

Kreidezähne und Ursachen

Die Zahnerkrankung MIH gibt immer noch Rätsel auf. Weichmacher aus Kunststoffen scheinen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung zu spielen. Es muss noch geforscht werden. Bislang sicher ist, dass sich der menschliche Zahnschmelz im Zeitraum zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr entwickelt. Das erste Lebensjahr scheint für eine Zahnschmelz Fehlbildung entscheidend zu sein. Vermutet wird, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen, damit MIH entsteht.

"Jüngste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Bisphenol A bei der Entstehung eine große Rolle spielt", sagt Krämer. In Versuchen entwickelten diese nach der Gabe des Stoffs poröse Zähne. Bisphenol A steckt als Weichmacher in Plastikflaschen und ist in Babyflaschen seit acht Jahren verboten. Es steht in Verdacht, zur Erkrankung beizutragen.

Doch auch Vitamin-D-Mangel bei Kindern könnte ein Auslöser für MIH sein, da Eltern ihre Kinder immer mehr mit Sonnenschutz vor Sonne schützen und Vitamin D vor allem durch UV-Strahlung auf der Haut im Körper gebildet wird. Auch Infektionskrankheiten, Antibiotika, Windpocken, Einflüsse aus Umweltgiften wie Dioxin könnten MIH begünstigen sowie Probleme in der Schwangerschaft oder Atemwegs-Erkrankungen. Da genaue Ursachen noch unbekannt sind, kann bis heute auch nicht entsprechend vorgebeugt werden.

Richtige Behandlung bei Kreidezähnen

Zahnärzte wissen: Heilen lassen sich Kreidezähne nicht. Aber behandeln. Das ist bei Kindern nicht immer ganz einfach. Insbesondere die Schmerzen bei Berührung führen zu einer Vermeidungshaltung in Sachen Zähneputzen oder Zahnarztbesuch, weshalb sich ein spielerischer Umgang in Sachen Mundhygiene und Zahnpflege empfiehlt. Das Personal von Zahnarztpraxen gibt hierzu bei Nachfrage hilfreiche Tipps.

Viele MIH-Kinder leiden optisch besonders dann, wenn die Schneidezähne betroffen sind. Je nachdem, wie schwer der Zahn befallen ist, kann ein Zahnarzt mit Füllungen und Kronen aushelfen. Für eine engmaschige Überwachung sollten Extremfälle alle drei Monate zur zahnärztlichen Kontrolle gehen.

Die schweren MIH-Fälle stellen in der zahnärztlichen Praxis aufgrund der akuten Beschwerden einen Schmerz-Notfall dar. Vom Zahnarzt ist dann ein sofortiges Eingreifen zu erwarten. Es sollte zudem ein ausführliches Informationsgespräch in der Zahnarztpraxis geführt werden, z.B. wie die Zähne grundsätzlich ausreichend gepflegt werden sollen, ob mit oder ohne Zahnseide oder spezieller Mundspülung.

Therapie bei Kreidezähnen

Liegt bei einem Kind MIH vor, muss unbedingt Karies verhindert werden. Doch die poröse Oberfläche betroffener Zähne ist anfällig für Bakterien. Auch lässt sich die rauhe Oberfläche schlechter reinigen als eine glatte. Insofern sollten Kreidezahn-Patienten auf eine gute Mundhygiene und ausreichender Fluorid-Zuführung achten. Sie ist der beste Schutz vor Karies, raten Experten. Fluorid sorgt dafür, dass sich in den Schmelz ausreichend Mineralien einlagern, und es legt sich zusätzlich wie ein schützender Film auf den Zahn. Auch kann dieser mit Kunststoff oder Fluoridlack versiegelt werden.

Sind die Zähne bereits stark angegriffen und sogar Teile abgebrochen, müssen eventuell Kronen ihren Einsatz finden. In seltenen Fällen jedoch, etwa bei jedem 100. Kind, ist der Zahn so schwer beschädigt, dass er entfernt werden muss. Entstandene Lücken werden dann durch kieferorthopädische Maßnahmen mit anderen bleibenden Zähnen oder Zahnersatz geschlossen.

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Autorin: Gertrud Maria Vaske, Fotos von Kreidezähnen: DGZMK/Norbert Krämer

 

Datum: 07.11.2019
Rubrik: Service & Wissen
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