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Verstanden

Umweltministerin warnt vor Folgen für Umwelt, Mensch und Gesundheit

Wie der Klimawandel uns Deutsche trifft

Vertrocknete Flüsse und Wälder, Sturmfluten an der Küste und dürre Ernten: Die Folgen der globalen Erderwärmung sind nicht nur spürbar, sondern nun eindeutig für Deutschland laut Befund der Bundesregierung belegt. Am Dienstag legte diese den zweiten Klima-Monitoringbericht in Berlin vor.

Durch die Erderwärmung und Hitzebelastung komme es zu mehr Gesundheitsgefahren und einem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie zu stärkeren Ertragsschwankungen von Ernten für Landwirte.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) nannte am Dienstag die Befunde „alarmierend“. Dem Bericht zufolge erhöhte sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad. Allein in den vergangenen fünf Jahren stieg diese um 0,3 Grad an. 2013 sei man noch von 1,2 Grad ausgegangen.

„Es ist nicht auszudenken, was es bedeuten würde, wenn sich das in dieser Geschwindigkeit wirklich fortsetzen würde“, sagte die Umweltministerin und mahnte: „Beim Klimaschutz geht es eben nicht nur um Gletscher und Eisbären, es geht auch um unsere Lebensgrundlagen hier in Deutschland."

Konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz

Dem Klimawandel könne man nur mit vorsorglichem Klimaschutz und konsequenter Anpassung begegnen. Im Alltag müsse daher die Entwicklung konkrete Auswirkungen haben, betonte Schulze. Die bisherige Klimaentwicklung erfordere beispielsweise, sich bei allen Bau- und Infrastrukturprojekten besser vor Beeinträchtigungen durch Hitze, Starkregen oder Hochwasser zu schützen. Das gelte insbesondere auch für Wohngebiete in Städten.

Begrünte Dächer und Gebäudefassaden, Wasserflächen und verschattete Plätze linderten Hitze und verbesserten den Regenwasserrückhalt und zugleich die Luftqualität, sagte die Ministerin und erklärte: „Eine solche nachhaltige Klimaanpassung macht unsere Infrastruktur nicht nur robuster, sie sichert auch den Standort Deutschland und bringt einen Mehrwert für unsere Lebensqualität.“

Mehr heiße Tage und Hitzetote

Die Anzahl heißer Tage mit 30 Grad und mehr nimmt kontinuierlich zu.  1951 waren es im Mittel etwa drei pro Jahr. Zurzeit sind es 10 und 2018 waren es sogar mehr als 20. Die Sommer 2003, 2018 und 2019 waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Erstmals führt der Bericht hitzebedingte Todesfälle in Deutschland auf. Demnach sind laut Berechnungen im Jahr 2003 rund 7.500 Menschen mehr gestorben als ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6.000 zusätzliche Todesfälle.

Beim Klimawandel spielen verschiedene Faktoren zusammen, weshalb nicht immer klar ist, welche Veränderungen dadurch tatsächlich entstehen. Trotzdem sind auch laut Experten eindeutige Entwicklungen erkennbar. So steigt die Anzahl der Todesfälle in Jahren mit vielen Hitzetagen wie auch die Beschwerden durch Pollen für Allergiker und Asthmatiker. Da die Flüsse weniger Wasser führen hat das Folgen für die Wasserversorgung und auch Land- und Forstwirte tragen ein höheres Ertragsrisiko. Steigende Meeresspiegel auch der Nord- und Ostsee steigern die Gefahr von Sturmfluten und Küstenerosion.

Folgen für Natur und Mensch

Bis zum kommenden Jahr hatte die Bundesrepublik ihren CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent senken wollen. Doch derzeit liegt die Prognose bei gerade einmal rund 30 Prozent.

Erstellt wurde der Bericht von Schulzes Ministerium und dem Umweltbundesamt (UBA). „Deutschland steckt mittendrin in der Erderhitzung, mit weitreichenden Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit“, sagte dessen Präsidentin Maria Krautzberger. Es müsse „dringend vorgesorgt werden, um diesen Folgen zu begegnen“. Zudem haben am Bericht mitgearbeitet Autoren von Bundes- und Landesbehörden, Universitäten und Fachverbänden.

Minimum der Emissionsreduktion

Knapp eine Woche vor Beginn der Weltklimakonferenz in Madrid forderte auch das UN-Umweltprogramm (Unep) deutlich mehr Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel und den Schutz immens verstärken. Nur gemeinschaftlich sei das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

Die Studie benennt dabei eindeutig: Lebe die Weltbevölkerung so weiter wie aktuell, drohe die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um 3,4 bis 3,9 Grad statt wie angestrebt um nur 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu steigen. Die klimaschädlichen Emissionen müssten zwischen 2020 und 2030 also jährlich um 7,6 Prozent sinken, heißt es in dem Bericht. Ansonsten werde das 1,5-Grad-Ziel verpasst. Um die Erderwärmung wenigstens auf zwei Grad zu minimieren, wäre eine Emissionsreduktion von 2,7 Prozent jährlich nötig.

Handeln statt Reden

Ähnliche Aufforderungen hatte es kürzlich schon mehrfach gegeben, etwa im „Brown to Green“-Report, vorgestellt vom Netzwerk Climate Transparency. Trotz aller Warnungen und eines wachsenden Bewusstseins für den Klimawandel stiegen die Treibhausgasemissionen laut Unep im ablaufenden Jahrzehnt jährlich um 1,5 Prozent – in 2018 sogar auf ein „Rekordhoch“ von 55,3 Gigatonnen CO2.  Auch die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre hatte im Jahr 2018 neue Höchstwerte erreicht, wie die Weltorganisation für Meteorologie am Montag mitteilte.

 „Unser gemeinsames Versagen, frühzeitig und entschlossen gegen den Klimawandel vorzugehen, bedeutet, dass wir jetzt drastische Kürzungen der Emissionen liefern müssen“, mahnte Unep-Chefin Inger Andersen in Genf bei der Vorstellung des Berichts. Alle müssten „jetzt handeln“, jede Stadt, jede Region, jedes Unternehmen und jeder Mensch. Noch sei das 1,5-Grad-Ziel erreichbar.

John Ferguson vom britischen Marktforschungsunternehmen Economist Intelligence Unit (EIU) ist skeptisch, dass die nötige Treibhausgasreduktion rechtzeitig erreicht werde. Der Grund ist seiner Meinung nach die „Kluft zwischen Reden und Handeln“ beim Klimaschutz. Vom 2. bis 13. Dezember treffen bei der UN-Klimakonferenz in Madrid Vertreter aus 200 Ländern zusammen, um über den Kampf gegen die Erderhitzung zu debattieren.

(gmv / Foto: BMU-Copyright)

 

 

Datum: 27.11.2019
Rubrik: Service & Wissen
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