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Verstanden

Neue Untersuchung der OECD: Deutschland im EU-Vergleich

Das Deutsche Gesundheitssystem: Teuer, ineffizient und früher sterben?

Das deutsche Gesundheitswesen hinkt den Systemen anderer EU-Länder hinterher. Das belegt eine aktuelle Studie der Organisation für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) auch genannt State of Health in the EU. Der Bericht beschreibt allgemeine Gesund­heitstrends und ver­gleicht die Systeme der 28 Mit­gliedsstaaten sowie von Norwegen und Island.

Die Analyse macht deutlich, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Deutschen mit 81,1 Jahren unterhalb vieler westeuropäischer Länder liegt. Spitzenreiter ist Spanien mit 83,4 Jahren, gefolgt von Italien mit 83,1 und Norwegen sowie Frankreich mit 82,7 Jahren liegt.

Die Autoren kritisieren jedoch vor allem die Effizienz des deutschen Gesundheitswesens. So heißt es im Bericht: „Die Raten vermeidbarer und behandelbarer Todesursachen in Deutschland liegen leicht unter dem EU-Durchschnitt, sind aber im Allgemeinen höher als in anderen westeuropäischen Ländern“. Gleichzeitig verzeichnet Deutschland die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit im europäischen Vergleich.

Hohe Todesraten durch Herzkreislauf-Probleme

Der Bericht listet zudem die durch Prävention vermeidbaren Todesursa­chen auf. Die Zahl der Todesfälle dieser Ursachen blieb in Deutschland seit 2011 stabil, während sie in vielen anderen EU-Ländern hingegen gesenkt werden konnten.

„Im Jahr 2016 hätte Deutschland 158 Todesfälle pro 100.000 Einwohner durch wirksame Maßnahmen verhin­dern können. Dies ist gleich­auf mit dem EU-Durchschnitt von 161 vermeidbaren Todes­fällen pro 100.000 Einwohner“, heißt es in dem Bericht. Insbeson­dere ischämische Herz­er­krankungen spielen in Deutsch­land eine deutlich größere Bedeutung als in südlichen EU-Ländern wie Spanien oder Italien.

Im Vergleich gibt es noch immer zu viele Tote durch Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfälle, auch wenn insgesamt die Raten hierzulande gesunken sind. Auch ist die Anzahl der Lungenkrebstoten zurückgegangen, die Sterblichkeitsrate für Lungenkrebs bei Frauen steigt jedoch an. 

Die im Jahr 2017 geboren wurden, leben wahrscheinlich fast drei Jahre länger als Deutsche, die im Jahr 2000 geboren wurden. Obwohl die Lebenserwartung in Deutschland leicht über dem EU-Durchschnitt liegt, ist sie langsamer gestiegen und liegt unter der vieler westeuropäischer Länder.

Durchschnittliche Gesundheitsergebnisse

Deutschland gibt zwar pro Person mehr für Gesundheit aus als andere EU-Länder und bietet viele Leistungen und einen guten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Das System ist jedoch aufgrund zahlreicher Kostenträger und Leistungserbringer stark fragmentiert, was zu Ineffizienzen und einer verminderten Qualität der Versorgung in bestimmten Versorgungseinrichtungen führt. Dies spiegelt sich oft in durchschnittlichen Gesundheitsergebnissen wider.

Im Jahr 2017 entsprachen die Kosten für das Gesundheitssystem laut Analyse 11,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Das sind 1,4 Prozentpunkte mehr als der EU-Durchschnitt, der bei 9,8 Prozent liegt, Platz zwei hinter Frankreich. Den Löwenanteil der Kosten trugen den Autoren zufolge staatliche Programme und Pflichtversicherungen. Mit 84,4 Prozent übertrifft Deutschland damit den europäischen Durchschnitt, der bei 79,3 Prozent liegt, deutlich.

Gesetzliche Krankenkassen (GKV) in der Kritik

Zudem kritisieren die Autoren, dass in der Bundesrepublik keine Positivliste für Medikamente existiert, die von der GKV übernommen werden. „Stattdessen sind alle zugelassenen verschreibungspflichtigen Arzneimittel in der Regel erstattungsfähig, einschließlich neuer und oft sehr teurer Arzneimittel, wenn sie eine vergleichende Nutzenbewertung bestehen“. Das erleichtere zwar den Zugang zu modernen Therapien, treibe jedoch gleichzeitig die Kosten für die GKV in die Höhe.

Der Bericht zeigt auch, dass die Ärztedichte pro Einwohneranzahl in Deutschland höher ist als in anderen EU-Ländern, gleichzeitig fehlt es an Pflegepersonal. Die Experten geben zu bedenken, dass in den jüngsten Gesetzen in Deutschland der Schwerpunkt vermehrt auf der Langzeitpflege lag sowie der Versorgung mit Gesundheitspersonal und dessen Ausbildung und auf der Verbesserung der Verfügbarkeit von Leistungen, vor allem in ländlichen Gebieten. Das provoziert die Frage: Fehlt es an richtigen Maßnahmen für den Pflegebereich an durchschlagender Gesundheitsvorsorge und Prävention hierzulande?

Falsches Essen, Nikotin und Alkohol

Nachzulesen ist, dass verhaltensbedingte Risikofaktoren wie schlechte Ernährung, Rauchen und Alkoholkonsum maßgeblich zu Erkrankungen und höheren Sterblichkeit in Deutschland beitragen. Ein Drittel der Erwachsenen berichtet sogar vom Rauschtrinken mit 20 Prozent. Dieser Anteil ist deutlich höher als im Rest der EU. Auch die Raten für Fettleibigkeit (Adipositas) liegen über denen vieler EU-Länder.

Das belegen auch die Befragungsdaten aus dem Jahr 2017. Danach sind 16 % der Deutschen fettleibig und auch der Raucheranteil hat sich nicht viel wesentlich reduziert: Auch wenn heute ein geringerer Anteil der Erwachsenen und Jugendlichen als noch vor 10 Jahren raucht, liegt der Raucheranteil dicht beim EU-Durchschnitt.

Gesundheitsförderung und Prävention 

Viele EU-Mitgliedstaaten geben laut Bericht weniger Geld für Gesundheit aus, erreichen mit ihren Investitionen jedoch eine geringere durch Gesundheitsfürsorge vermeidbare Sterblichkeit. Die Experten betonen: „Durch eine Stärkung der Gesundheitsförderung, Prävention und Koordinierung in der Gesundheitsversorgung könnte Deutschland die Wirksamkeit seines Gesundheitssystems steigern“.

Um die Kosten zu senken, machen die Experten zwei konkrete Vorschläge: Zum einen gelte es, unnötige und teure stationäre Behandlungen zu reduzieren und die ambulante Versorgung sowie Operationen in Tageskliniken auszubauen.

Zum anderen steckt nach Ansicht der OECD zu viel Geld im Arzneimittelsektor. So bilanzieren die Autoren: „Deutschland hat die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel in der EU“. Auch hätten bisherige Einsparversuche nur mäßigen Erfolg gezeigt.

Alle zwei Jahre veröffentlicht die OECD eine große vergleichende Studie zu den Gesundheitssystemen der EU-Mitgliedstaaten mit dem Zielt „politischen Entscheidungsträgern und Einflussnehmern ein Instrument für die gegenseitige Wissensvermittlung und den freiwilligen Kenntnisaustausch an die Hand zu geben“, wie einleitend im Länderprofil für Deutschland von den Autoren erklärt wird.

(gmv)

 

 

Datum: 02.12.2019
Rubrik: Service & Wissen
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