Silvester-Feuerwerke verbieten wegen schlechter Luft?

Fatale Folgen für Gesundheit und Umwelt

Silvester-Feuerwerke verbieten wegen schlechter Luft?

Böllerfrei ins nächste Jahr? Zum Jahreswechsel lassen es die Deutschen gern krachen. Doch laut einer Umfrage von YouGov sind 60 Prozent der Bundesbürger für ein generelles Böller-Verbot in dicht besiedelten Städten. Dort, wo es an Mut oder Tatkraft für Schutzzonen vor Böllerei gefehlt hat, hinterlässt die Silvesternacht erneut gravierende Schäden zurück.

Die Zahlen sprechen für sich: etwa 5.000 Tonnen Feinstaub in einer Nacht, die etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge entspricht, fast 50.000 Tonnen Müll und voraussichtlich eine fünfstellige Anzahl an Verletzten, darunter zahlreiche Kinder. Dazu gibt es jedes Jahr Schäden in Millionenhöhe. Polizei und Krankenhäuser registrieren viele tausend Verletzte. Zahlreiche Wohnungsbrände, ramponierten Autos und vermüllte Straßen oder Grünanlagen sind die Folge. 

Hohe Feinstaubwerte in vielen Städten

Vielerorts wird von Ausnahmezuständen gesprochen. Am ersten Tag eines jeden Jahres herrschen in deutschen Städten aufgrund des Silvester-Feuerwerks teils Rekord-Feinstaubbelastungswerte von 1000 µg PM10/m³. In diesem Jahr waren sogar in manchen Bundesländern erhöhter dichter Nebel festgestellt worden. 

Erstmals ist es in Deutschland gelungen, im Vorfeld der jährlichen Silvester-Böllerei mit fatalen Folgen für Gesundheit und Umwelt, eine bundesweite, robuste Diskussion über die Zukunft der Silvesterfeste zu führen. Eigentlich müssten sich alle 98 Städte, die am stärksten unter Feinstaub durch Knallerei leiden, einer breiten kommunalen Diskussionen zu Verbotszonen anschließen. Im Auftrag der DUH erstelltes Rechtsgutachten zeigen alle 98 Städten mit Feinstaubwerten oberhalb des WHO-Grenzwerts auf.

Böllerverbot for Future

Aufgrund der schlechten Luftqualität und Risiken für Gesundheit und Tierwelt könnte die schädliche Böllerei verboten werden. Das findet zumindest auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die entsprechende Anträge gestellt hatte. So haben knapp 40 Prozent der 98 Städte Maßnahmen ergriffen oder angekündigt.

Die bisher untätig bleibenden 60 Prozent der Städte will die DUH über örtliche Petitionen, kreative Aktionen und ungewöhnliche Aktionsbündnisse von einem sauberen Silvester for Future überzeugen und so für ein Verbot der Böllerei an Silvester 2.0 sorgen.

Krach und gute Geschäfte

Das Silvesterfeuerwerk gehört für viele Menschen zum Jahreswechsel und das kann auch so bleiben – aber nicht so wie bisher. Die Unmengen an Böllern und Raketen sind jedoch laut zahlreicher Experten gefährlich, gesundheitsschädlich und teuer.

Für das wenige Stunden dauernde Silvester-Feuerwerk kauften viele Knaller-Fans in 2019 jede Menger Böller und Raketen. So erzielte die Branche laut Statista Verkäufe in Höhe von 133 Millionen Euro.

Die pyrotechnische Industrie beschäftigt derzeit etwa 3000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hierzulande, obwohl die Fertigung ausschließlich in Fernost stattfindet. Zufolge der Umfrage von YouGov spricht sich immerhin noch 40 Prozent der Bundesbürger für ein Fortbestehen der Böllerei aus.

Autorin: Gertrud Maria Vaske

Datum: 08.01.2020
Rubrik: Service & Wissen
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