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Verstanden

Dunkelheit befördert "saisonal abhängige Depression“ (SAD)

Kein Antrieb: Wie gefährlich ist der Winterblues?

Die Tage sind kurz, das Wetter unangenehm, der Himmel grau und die eigene Stimmung getrübt. Gerade in den kalten und dunklen Monaten entwickeln nicht wenige Menschen einen Winterblues. Doch was ist diese „saisonal abhängige Depression“, wie es in Fachkreisen heißt, genau und wann ist es ratsam, sich Hilfe zu suchen?
 „Viele gesunde Menschen erleben eine solche Antriebsarmut in den Wintermonaten, ohne dass diese gefährlich wären“, sagt Prof. Dr. med. Claas-Hinrich Lammers, Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik Nord-Ochsenzoll gegenüber health tv. Aber was steckt dahinter, wenn sich Menschen im Winter aus dem Bett quälen müssen und die Antriebslosigkeit den Tag über nicht zu verschwinden scheint? Lammers, Chefarzt der I. und III. Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und der Privaten Tagesklinik Walddörfer, führt vor allem die Dunkelheit als Ursache für saisonal abhängig Depressionen an. Hierbei spielen Hormone eine Rolle. „Licht hemmt die Ausschüttung von Melatonin, einem Hormon im Gehirn. Folglich führt Lichtmangel im Winter zu einer gesteigerten Ausschüttung dieses Hormons, und das kann Einfluss auf unsere Stimmung nehmen“, erklärt Lammers.

"Seasonal Affective Disorder“ (SAD)

Ein vorübergehender Winter-Blues, der kurzzeitig auftritt und im Alltag kaum stört, kann noch völlig harmlos sein. Viele haben das schon einmal erlebt.
Erst wenn diese Störung in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils in der kalten Jahreszeit auftritt und danach wieder vorbei ist, sprechen Experten von SAD. Die Abkürzung steht im Englischen für „Seasonal Affective Disorder“, was übersetzt eine saisonale Störung der Stimmungslage bedeutet – also die Winter-Depression.

Antriebsarmut, Schlafbedürfnis, Gereizheit

Betroffene sind in der akuten Phase nicht nur antriebslos. „Typisch sind neben der Antriebsarmut ein hohes Schlafbedürfnis und eine Gereiztheit. Viele Betroffene sprechen auch davon, von allem genervt zu sein“, sagt der Psychiater und Psychotherapeut.
Egal, ob Winter-Blues oder Winter-Depression: Helfen kann es, sich tagsüber eine halbe Stunde an der frischen Luft aufzuhalten, etwa bei einem Spaziergang. „Betroffene sollten sich möglichst viel dem Licht aussetzen, was auch bei einer Wolkendecke ausreichend in der freien Natur vorhanden ist. Das steigert die Ausschüttung des Botenstoffes Serotonin. Das hat erwiesenermaßen einen positiven Einfluss auf die Stimmung. Es gibt aber auch sog. Lichtduschen zu kaufen, welche man am Morgen für eine halbe Stunde anstellt und welche das fehlende Tageslicht ersetzen.“

Zur Not professionelle Hilfe suchen

Wenn all das nichts hilft und das Tief einen in der gewohnten Lebensführung deutlich beeinträchtigt,  ist das ein deutliches Warnsignal. Betroffene sollten sich dann professionelle Hilfe suchen. Womöglich sind die Beschwerden Indizien für eine Depression, die behandelt werden sollte. „Eine Depression liegt dann vor, wenn der Patient eine schwere Antriebsstörung, Freudlosigkeit, Interessenverlust, Schlafstörungen, Appetitverlust mit Gewichtsabnahme und unbegründete Schuldgefühle erlebt.“ In diesen Fällen kann neben einer Psychotherapie die Verschreibung von Antidepressiva ratsam sein. „Bei schweren Depressionen sind diese Medikamente nicht nur sehr hilfreich, sondern sie können wegen der mit einer Depression einhergehenden Selbstmordgefahr auch lebensrettend sein“, betont Lammers.
Ob Betroffener oder Angehöriger: wer Rat sucht, kann sich auch über das deutschlandweite Info-Telefon Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe kostenlos informieren.

Fünf Tipps gegen den Winterblues:

  1. Bewegung. Möglichst viel rausgehen, auch wenn der innere Schweinehund zunächst Nein sagen sollte
  2. Auf Stimulanzien verzichten. Den Konsum von Alkohol, Zigaretten oder Süßigkeiten reduzieren oder meiden
  3. Aktiv bleiben, Freunde treffen, sich Gutes tun
  4. Sich ggf. über den Kauf einer speziellen „Lichtdusche“ informieren, die den Tag aufhellen kann
  5. Wer keine Besserung spürt und keinen Ausweg sieht, der sollte einen Psychiater aufsuchen


(Autor: Jürgen Hüpohl/Quelle/Bild, u.a.: dpa/fotolia)

 

Datum: 12.02.2020
Rubrik: Service & Wissen
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