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Europäischer Kopfschmerz- und Migränetag am 12. September

90 Prozent der Menschen in Deutschland leiden mindestens ein Mal im Jahr unter Kopfschmerzen – mehr als acht Millionen unter Migräne. Eine Migräne-Attacke kann Patienten regelrecht aus dem Leben reißen. Im Berufs- und Familienleben geht dann nichts mehr. Obwohl Betroffene mit starken Symptomen zu kämpfen haben, wird Migräne oft nicht ernst genommen. In einer gemeinsame Presseerklärung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und der MigräneLiga vom 1. September beantwortet PD Dr. Tim Jürgens, Leiter des Kopfschmerzzentrums Nord-Ost in der Klinik und Poliklinik für Neurologie an der Unimedizin Rostock und Präsident der DMKG drei wichtige Fragen zum Thema Migräne.

Wie erkenne ich, ob ich Migräne habe?

Schmerz bei der Migräneattacke selbst ist recht unspezifisch: mittelschwere bis schwere Kopfschmerzen und oft pochend-pulsierend. Typischer sind die Dauer von einem halben bis 3 Tagen und die Begleitsymptome: Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Gerüchen sowie Übelkeit und Erbrechen. Klassisch sind auch die Zunahme der Schmerzen bei Anstrengung und die Tendenz der Betroffenen, sich ins Bett zurückzuziehen. Tritt Migräne innerhalb einer Familie gehäuft auf, erleichtert das die Diagnose. Das klinische Bild der Migräne kann jedoch sehr variabel sein, auch innerhalb der Familie, sodass es sinnvoll ist, zur Diagnosestellung einen Arzt aufzusuchen.

Wann sollte man wegen Migräne einen Arzt aufsuchen?

Jeder Migränepatient sollte zumindest einmal im Leben deswegen einen Arzt aufsuchen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Migräne neu aufgetreten ist, um einen möglicherweise gefährlichen Kopfschmerz auszuschließen. Auch wenn sich die Symptome verändern, Schmerzmittel nicht mehr wirken oder neue Beschwerden im Zusammenhang mit der Migräne auftreten, ist ein Arztbesuch sinnvoll und auch bei häufigen Migräneattacken und Unzufriedenheit mit der Akutbehandlung. Dann ist unter Umständen eine vorbeugende Behandlung erforderlich.

Wie kann ich Migräne vorbeugen?

Eine vorbeugende Behandlung ist notwendig, wenn mindestens 3–4 Attacken pro Monat auftreten, häufig oder immer häufiger Schmerzmittel eingenommen werden müssen, an 10 Tagen pro Monat oder mehr, und Betroffene durch die Migräne Probleme im beruflichen oder sozialen Umfeld erleben. Dann werden meist nichtmedikamentöse Therapien, besonders Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson und regelmäßiger Ausdauersport, mit einer medikamentösen Behandlung kombiniert. Neben klassischen vorbeugenden Präparaten wie Betablockern, Antidepressiva, Mitteln gegen Epilepsie und Botulinumtoxin sind seit 2 Jahren auch monoklonale Antikörper gegen den Schmerzbotenstoff CGRP verfügbar, die rasch wirksam und gut verträglich sind. Damit sind wir heute in der Lage, den meisten Migränepatienten gut zu helfen.

Weitere Informationen zur Diagnose, einer individuell abgestimmten Therapie und einer Anpassung der Lebensumstände bei Spannungskopfschmerz, Migräne und Co. gibt es in der health tv-Reportage "Kampf dem Kopfschmerz". 

Datum: 11.09.2020
Rubrik: Service & Wissen
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