Adipositas Verband Deutschland

Folge 5: Psychotherapie bei Adipositas - auch nach Gewichtsverlust wichtig

Die Behandlung von starkem Übergewicht erfolgt meist multidisziplinär. Ernährungs- und Bewegungstherapie gehören inzwischen zum Standard. In schweren Fällen sind auch operative Verfahren eine Option. „Die Psychotherapie nimmt im Vergleich dazu einen relativ geringen Stellenwert ein“, sagt Britta Pehlke in der 5. Folge der Sendereihe „Adipositas Verband Deutschland“ im Gespräch mit Marion Rung-Friebe, der 2. Vorsitzenden des Verbandes. Die Psychologin ist auf die Beratung von Menschen mit Adipositas und nach bariatrischen Operationen spezialisiert. „Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angsterkrankungen, aber auch die Binge Eating Disorder oder die Bulimie hängen eng mit der Adipositas zusammen.“ Auch bei extremer Gewichtsabnahme, z.B. nach einer Magen-OP, sei die Psychotherapie sehr wichtig. „Zwar gehen psychische Belastungen, Depressionen und Angsterkrankungen nach Gewichtsverlust zurück, aber die Patienten müssen sich psychisch völlig neu entdecken. So sind plötzlich ganz andere Freizeitaktivitäten möglich.“ Sowohl Patienten als auch Ärzte, Adipositas-Zentren und Ernährungsberater seien dafür noch stärker zu sensibilisieren, fordert die Expertin.

Suchtverlagerung nach OP

„Bis zu 20 Prozent der Bypass-Patienten entwickeln im Laufe von vier Jahren nach der Adipositas-Chirurgie ein kritisches Alkoholverhalten – vor allem dann, wenn vorher schon ein gewisses Suchtverhalten vorhanden war. Deshalb ist es wichtig, dieses schon im Vorfeld mit den Patienten zu klären“, so Pehlke. Der Bypass ist in diesem Fall möglicherweise nicht die zu präferierende OP-Methode, denn er führt zu einer veränderten Aufnahme von Alkohol. Die Patienten nehmen diesen schneller und intensiver auf. Nach Einschätzung von Pehlke steigt durch das verstärkte Euphorie-Gefühl das Risiko der Alkoholabhängigkeit. Auch eine Sport-Sucht könne sich nach starkem Gewichtsverlust entwickeln. Da gelte es abzuwägen, wo Bewegung für Gesundheit und Gewichtsstabilisierung förderlich ist und wo es anfängt kritisch zu werden. Wichtig seien ehrliche Gespräche mit den Patienten, um schon vor der OP vorhandene Probleme zu identifizieren, die sich nach der OP gegebenenfalls noch einmal neu entwickeln könnten.

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