Adipositas Verband Deutschland

Folge 6: Adipöse Menschen im Rettungsdienst - Hilfsmittel und Schulungen fehlen

Die Rettung und der Transport adipöser Menschen stellen Feuerwehr und Rettungsdienst vor große Herausforderungen. Einsatzkräfte und Patienten sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt. „Es gibt zurzeit keine DIN-Norm, welche Schwerlast-Ausstattung vorgehalten werden muss,“ sagt Diplom-Wirtschaftsinformatiker Jens Wolff in der sechsten Folge der Sendereihe „Adipositas Verband Deutschland“. Mit seinem Buch Adipöse Personen im Feuerwehreinsatz will der Notfallsanitäter Missstände aufdecken und Anleitungen für die Praxis geben.

Von der Trageunterstützung für den Rettungsdienst bis hin zum Brandeinsatz mit schwergewichtigen Menschen - Hilfsmittel für adipöse Patienten sind oft nicht vorhanden und die Einsatzkräfte haben keine spezielle Schulung absolviert. „Sobald man über 150 Kilo kommt, hat man plötzlich ein Problem, weil das Tragetuch vielleicht keine Zulassung hat für dieses Gewicht oder weil vielleicht eine Trage und ein Tragestuhl keine Zulassung haben. Und dann gerät man tatsächlich ganz schnell an die Grenzen,“ so Jens Wolff. Der Dozent im Rettungsdienst weiß, dass in solchen Fällen improvisiert wird und Fehler passieren. „Das ist etwas, was insbesondere im medizinischen Bereich eigentlich nicht passieren sollte.“

Die größte Angst der Patienten sei es, entwürdigend abtransportiert zu werden, erklärt Marion Rung-Friebe, 2. Vorsitzende des Adipositas Verbandes Deutschland. Berührungsängste bestünden auf beiden Seiten, erwidert Wolff. Die Situation sei für die Patienten sehr unangenehm, wenn sie über ein Gerüst oder einen Kran transportiert werden müssten. Auf der anderen Seite wisse der Rettungsdienst oft nicht, mit der Situation umzugehen. Kann man offen mit den Patienten reden? Wie vorsichtig sollte man in der Wortwahl sein? In der Ausbildung sei es wichtig, voneinander zu lernen und einen offenen Dialog mit Betroffenen zu führen. Nur so könne man gemeinsam Lösungen finden.

Marion Rung-Friebe will sich für eine Zusammenarbeit einsetzen: „Die Community ist groß und ich denke, da bekommt man ganz bestimmt was hin.“

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