Wir wählen Gesundheit

Grüne über Krankenhäuser: Wir müssen mehr Geld ausgeben

„Die klare Ansage ist: Wir müssen mehr Geld ausgeben", so die Einschätzung von Mehrdad Mostofizadeh (Grüne) zu Krankenhausinvestitionen, die nach der NRW-Landtagswahl 2022 auf die neue Landesregierung zukämen. Der gesundheitspolitische Sprecher der NRW-Landtagsfraktion diskutiert mit Thomas Müller, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und Dr. Oliver Funken, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Nordrhein und Vorstandsmitglied der Ärztekammer Nordrhein. Funken sieht den Datenaustausch im Gesundheitswesen derzeit überaus kritisch: „Die Telematikinfrastruktur in ihrer jetzigen Form kann man zu Grabe tragen. Das ist die zentrale Aussage aller niedergelassenen Ärzte."

Funken fordert für die Vernetzung der IT-Systeme im Gesundheitswesen einen Neustart. „Es ist ja jetzt eine Nachbesserung vorgesehen, die dann bis 2025 wieder eine zweite Krücke macht, um dann 2025 in eine Telematikinfrastruktur zu kommen, die komplett anders ist. Das heißt: Wir haben jetzt viel Geld, das wir im Grunde genommen in desolate Strukturen stecken. Das Geld sollte man sich sparen und sinnvollerweise in weitergehende Strukturen investieren." Auch Müller sieht die niedergelassenen Ärzte in Sachen Digitalisierung von der Politik nicht ausreichend unterstützt: „Das Krankenhauszukunftsgesetz, da wurde ja gerade die Digitalisierung in Krankenhäusern gefördert. Es liegt sehr nahe, dass wir das auch für den ambulanten Bereich fördern, dass wir hier zu einer wirklichen Zusammenarbeit zwischen ambulant und stationär in diesem Digitalisierungsfeld kommen."

Andere Sorgen, die die beiden Vertreter des ambulanten Sektors umtreiben, gelten dem Nachwuchs, besonders in ländlichen Regionen. Um hier Abhilfe zu schaffen, spricht sich Gesundheitspolitiker Mostofizadeh dafür aus, mehr Studenten gleich im ländlichen Raum auszubilden, „und nicht nur an den Universitäten Münster und Bielefeld. Meine Lebenserfahrung zeigt, dass Menschen immer erst, wenn sie an einem bestimmten Ort waren, sich niederlassen oder man bereit ist, dort zu arbeiten." Allgemeinmediziner Funken glaubt jedoch, dass die Zeit dafür gar nicht mehr ausreicht: „Man wird die Versorgung nicht mehr stemmen, wenn man nur auf die Ärzte setzt." Ein Lösungsansatz sei, Medizinische Fachangestellte (MFA) der Arztpraxen besser zu qualifizieren, um ihnen mehr Aufgaben übertragen zu können. Schon in der Corona-Pandemie hätten die MFA enorme Leistungen vollbracht, bislang ohne finanzielle oder politische Würdigung, ergänzt Müller. Handlungsbedarf besteht für Gesundheitspolitiker Mehrdad Mostofizadeh auch im Bereich von Pflege und Pflegeversicherung: „Es gibt noch ziemliche Ungerechtigkeiten innerhalb der Pflegeversicherung, also zwischen der privaten Pflegeversicherung und der gesetzlichen Pflegeversicherung. Wer gesetzlich pflegeversichert ist, war bis vor kurzem oftmals relativ zügig bei einer normalen Rente im Sozialbezug. Das muss man ändern, das ist nicht gerecht."

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