Wir wählen Gesundheit

SPD fürchtet eine "Zerschlagung von Krankenhäusern"

Zukunft Krankenhaus, Lösungen für Fachkräftemangel im Pflegebereich und die Bedarfsplanung in der Psychotherapie sind zentrale Themen der Sendung. „Wir brauchen leistungsfähige Krankenhäuser, die gut ausgestattet und versorgt sind", sagt Serdar Yüksel, Mitglied des Gesundheitsausschusses des NRW-Landtages und kritisiert den Krankenhausplan der aktuellen Regierungskoalition aus CDU und FDP: „Wir befürchten eine Zerschlagung von Krankenhäusern. Die Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig jedes freie Bett ist." Die SPD wolle im Rahmen eines Infrastrukturgesamtpaketes in Höhe von 30 Milliarden auch die Krankenhausinfrastruktur verbessern und gegen die chronische Unterfinanzierung vorgehen, so Yüksel.

Die SPD würde bei einer Regierungsverantwortung die Gewinnentnahme privater Kliniken regulieren und Krankenhäuser zur Not in kommunale Trägerschaft übernehmen, heißt es im Wahlprogramm. In Nordrhein-Westfalen sind 12,6 Prozent der Kliniken in privater Hand. „Die Privaten machen schon eine Rosinenpickerei", kritisiert Yüksel, denn Krankenhäuser in privater Hand würden Bereiche abstoßen, die kostenintensiv sind und auf jene mit kurzer Verweildauer setzen. So hat in Bochum „jetzt ein privater Anbieter einen Sicherstellungsauftrag für die Kinder- und Jugendpsychiatrie zurückgegeben, weil die Renditen nicht mehr hoch genug waren", sagt Yüksel. Auf Nachfrage bestätigte der SPD-Gesundheitsexperte, dass die Klinik unter einer von seiner Partei geführten Regierung erhalten würde - unter einem nicht privaten Träger. Sollen also alle privaten Kliniken in kommunale Hand? Klaus Overdiek, Leiter der NRW-Landesvertretung DAK Gesundheit, betont, dass man in NRW bisher davon gelebt habe, dass es eine gemischte Struktur aus privaten und kommunalen und gemeinnützigen Trägern gibt: "Die Trägervielfalt hat es letztlich ausgemacht. Der Mix sorgt für einen Wettbewerb und letztlich für eine gute Patientenorientierung."

Yüksel kritisiert, dass auch im ambulanten Bereich renditegetrieben gehandelt wird, etwa bei der Übernahme von Arztpraxen. „Es kann nicht sein, dass in sozialschwachen Stadteilen keine Fachärzte, insbesondere Kinderärzte mehr da sind", sagt er. Dass es auch in der ambulanten psychischen Betreuung eine Unterversorgung gibt, kann Gerd Höhner, Präsident der Psychotherapeuten Kammer NRW bestätigen. „Wir reden seit 20 Jahren über eine Unterversorgung im ambulanten Bereich. Über 60 Prozent der Kassensitze für Psychotherapie sind halbiert und somit nur numerisch mehr geworden." Die Wartezeiten seien bei einer steigenden Nachfrage weiterhin hoch. „Ins NRW warten Patienten auf einen Therapiebeginn circa fünf Monate, im Ruhrgebiet sogar sechs Monate. Bei den Kinder- und Jugendtherapeuten meist noch länger", so der Diplom-Psychologe. Er appelliert daran, die Bedarfsplanung auf eine realistische Basis zu stellen, also an der Nachfrage und dem daraus resultierenden Behandlungsbedarf zu orientieren. Klaus Overdiek entgegnet, dass nach einer Versichertenbefragung der DAK sich diese langen Zeiten nicht bestätigt hätten.

Großen Bedarf sieht Yüksel im Bereich Pflege. "Wir haben einen eklatanten Fachkräftemangel in der Pflege", sagt er. „Circa zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden durch Angehörige gepflegt. Die Familie ist der größte Pflegeanbieter", so der gelernte Krankenpfleger. Yüksel fordert gute Tarifverträge und mehr Auszubildende, um eine Entlastung und Verbesserung in den Pflegeberufen zu bewirken. Für eine Unterstützung vor Ort bringt er Pflegestützpunkte mit Lotsen ins Gespräch. Für Klaus Overdiek (DAK Gesundheit) ist "die Pflege die zentrale Aufgabe des Jahrzehnts."

Seite 1 von 6, Insgesamt 36 Einträge.

zurück12345