Pralles Leben mit Gewicht

Partnerschaft und Sexualität

Vorurteile, Klischees und dumme Sprüche - beim Thema Sex mit einer dicken Frau oder Sex mit einem dicken Mann reichen die Reaktionen oft von Belustigung oder Abneigung bis hin zum Feeder-Fetisch. Warum eigentlich? Sexualität, Liebe und Partnerschaft sind das Natürlichste der Welt – egal wie viele Kilos man auf den Rippen hat. Wie der Sex als dicke Frau ist und ob er sich mit Normalgewicht anders anfühlt, weiß Alexandra Piskol ganz genau. Die Sängerin und Songwriterin hatte eine Magenband-OP und dadurch viel Gewicht verloren. Mit den Moderatorinnen Birgit von Bentzel und Sylvia Kunert spricht sie in der 21. Folge von Pralles Leben mit Gewicht über ihre Erfahrungen mit der Liebe - vor und nach der OP.

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Vermutlich jeder Abonnent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kennt den Fragebogen, den der Schriftsteller Marcel Proust in seinem Leben gleich zweimal ausfüllte. War der Bogen zunächst „Herausforderung an Geist und Witz ein beliebtes Spiel in den Pariser Salons“, öffnete sich über Dekaden hinweg Woche für Woche eine andere Person mit ihren Antworten dem Magazin der Frankfurter Allgemeinen, kurz F.A.Z.

Zur Vorbereitung auf unsere Sendung bitten wir unsere Gäste um ihre Antworten auf die veränderte und gekürzte Version.


Kurzporträt von Alexandra Piskol, Sängerin, Bloggerin und Mutmacherin

  1. Was ist für Dich das vollkommene irdische Glück? Menschen um mich zu haben, die ich liebe und von denen ich geliebt werde. Mit all den Stärken und Schwächen, die jeder von uns in sich trägt. Ich finde es schwierig vom „vollkommenen irdischen Glück“ zu sprechen. Glück ist für mich kein Dauerzustand, sondern eher eine Ansammlung von Glücksmomenten.
  2. Wo möchtest Du leben? Momentan möchte ich genau da leben, wo ich gerade bin. Ich fühle mich zuhause.
  3. Welche Fehler entschuldigst Du am ehesten? Das ist eine schwierige Frage, denn aus Fehlern lernen wir. Fehler tragen dazu, dass wir uns weiterentwickeln. Solange ich das Gefühl habe, dass mein Gegenüber daraus lernt und daraus etwas für die Zukunft zieht, kann ich diese am ehesten entschuldigen bzw. verzeihen. Meine eigenen Fehler zu entschuldigen, ist nochmal eine ganz andere Herausforderung. Früher bin ich da sehr hart mit mir selbst ins Gericht gegangen. Inzwischen lerne ich auch meinen eigenen Fehlern gegenüber nachsichtiger zu sein.
  4. Deine Lieblingstugend? Offenheit. Für mich ist das sehr wichtig. Mich macht es wahnsinnig, wenn ich spüre, dass mein Gegenüber das nicht ist. Nur wenn wir anderen Menschen und Situationen gegenüber offen sind, können wir uns meiner Meinung nach weiterentwickeln und etwas verändern.
  5. Deine Lieblingsbeschäftigung? Musik machen und Tanzen. Früher habe ich mich das nicht getraut, da ich immer im Hinterkopf hatte, was andere darüber denken. Inzwischen sind die Musik und das Tanzen für mich ein Ventil, um auch gedanklich mal loszulassen und mich in der Bewegung und der Musik zu verlieren. So verrückt das klingt, aber es hilft mir dabei, mich selbst zu finden.
  6. Wer oder was hättest Du sein mögen? Solche Fragen stelle ich mir inzwischen nicht mehr. Ich bin genau die, die ich gerade bin – und das ist gut so. Sich über Dinge Gedanken zu machen, die hätten sein können, macht auf Dauer nicht glücklich und verhindert die Sicht auf das, was gerade ist und was wir wirklich beeinflussen können.
  7. Was schätzt Du bei Deinen Freunden am meisten? Sie stehen hinter mir und haben Verständnis, auch wenn ich mich in einer depressiven Phase zurückziehe und mich nicht so melde. Meine Freunde haben eine Menge mit mir durchgemacht und ich bin Ihnen so unendlich dankbar dafür.
  8. Was verabscheust Du am meisten? Verabscheuen ist ein großes Wort und birgt viel negative Energie. Würde ich so nie nutzen – genauso wenig wie hassen. Sicher gibt es Dinge, die ich nicht gut finde oder ablehne, wie Rassismus, Engstirnigkeit, Rücksichtslosigkeit oder Lügen. Dinge mit denen wir anderen schaden.​
  9. Welche natürliche Gabe möchtest Du besitzen? Menschen im Innersten zu berühren und Ihnen dabei zu helfen, den Schalter im Kopf umzulegen, damit Sie Veränderungsprozesse in Ihrem Leben anstoßen und dauerhaft umsetzen können.

Was ist das gravierendste Missverständnis, wenn die Sprache auf unser Thema Sexualität und Partnerschaft kommt? Gute Frage, da müsste ich erstmal überlegen, welche Missverständnisse es überhaupt gibt. Vielleicht, dass manche denken, dass man eine wirklich erfüllte Sexualität nur in einer Partnerschaft haben kann.Dem ist nicht so. Ich spreche da aus eigenen Erfahrung.

Was bewegt / motiviert / ärgert Dich am meisten in Bezug auf unser Thema? Adipositas und Sexualität - so richtig offen darüber gesprochen wird nicht, ist mein Eindruck. Das ist schade, denn auch mit 185 kg hatte ich Sex. Der war zwar anders, aber nicht unbedingt „schlechter“ als jetzt mit 85 kg.

Welche eine Information / Botschaft hat aus Deiner Sicht den größten praktischen Nutzwert? Wenn ich mich und meinen Körper kenne und annehme, weiß was mir gefällt und was nicht, kann ich mich auch für meinen Partner öffnen und mich fallen lassen. Da ist es völlig egal, wieviel ich wiege.

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