Pralles Leben

 

Bewältigungsstrategien bei Mobbing und Stress

15.09.2020 von health TV

Bewältigungsstrategien bei Mobbing und Stress

Diskriminierung, Stigma und Vorurteile verletzen und können zu psychischen Erkrankungen wie z. B. einer Depression führen. Wer viele Pfunde hat, hat viele Sorgen und bekämpft das Bodyshaming oft mit noch mehr Essen. Ein Teufelskreis, der nur durch veränderte Bewältigungsstrategien durchbrochen werden kann. In der 16. Folge von Pralles Leben mit Gewicht sprechen Birgit von Bentzel und Sylvia Kunert mit Prof. Claudia Luck-Sikorski über die Auswirkungen von Mobbing und Diskriminierung, Stress und Bewältigungsstrategien. 


Drei Fragen an die Expertin

Wie groß ist die Gefahr, dass übergewichtige Menschen ein negatives Selbstbild entwickeln? 

Je früher dieses Teasing, dieses "Sich lustig machen", beginnt, was ja teilweise am eigenen Esstisch der Familie schon anfängt, desto höher ist die Gefahr, dass sich Essstörungen entwickeln, dass das Selbstbewusstsein einen Knacks bekommt, dass der eigene Körper abgelehnt wird. Die Gefahr ist umso höher, je höher, je früher, je tiefgreifender diese negativen Erfahrungen sind. Und dann ist die Frage meistens, entstehen daraus psychiatrische oder psychische Störungen.

Wie kann man vorbeugen?

Das ist tatsächlich die große Frage. Ich glaube, das ist einfach Glückssache - ob sie ein gutes soziales Umfeld haben, das sie stärkt. Ob sie ein Erlebnis haben, wo sie sagen, ich bin schon mal ein bissel tiefer gefallen, und jetzt buddel ich mich da selber raus und finde etwas, was mir bei der Bewältigung persönlich hilft. Oder generell auch vielleicht mein Temperament, es ist auch viel Persönlichkeit und Temperament - die sind auch ausschlaggebend. Wir sind da noch dabei zu untersuchen, wer entwickelt denn diese Störungen und wer kommt da gut raus und geht als selbstbewusster Dicker durchs Leben und sagt: So bin ich halt. Kommt damit klar oder lasst mich in Ruhe.

Was versteht man unter dem so genannten Coping?

Coping ist ein Aspekt, der zur psychischen Gesundheit beitragen kann. Coping-Strategien sind Bewältigungsstrategien, also wie bewältige ich etwas im Leben. Wir gehen davon aus, dass es negative Coping-Strategien gibt. Das ganz einfache Beispiel ist, Alkohol zu trinken. Wenn das meine Coping-Strategie ist, ich habe Stress, ich erlebe etwas Negatives, ich gehe nach Hause und trinke drei Bier. Oder ich esse aus Frust, ich habe emotionales Essen. Das sind Strategien, die können sich langfristig negativ für mich auswirken. Da habe ich langfristig eine Gewichtszunahme. Ich habe ein Alkoholproblem. Da würden wir in der Therapie ansetzen und sagen okay, so habe ich es in der Vergangenheit gemacht. Ich merke, das hat Probleme mit sich gebracht, und wir überlegen gemeinsam - was könnten jetzt bessere Strategien sein, damit es nicht zu diesen manifesten psychiatrischen Störungen, wie zum Beispiel der Depression, der Alkoholabhängigkeit und so weiter kommt. 

Hier könnt Ihr Euch die Audio-Version des Podcasts in voller Länge anhören.

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