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Bluthochdruck - die stille Gefahr

27.10.2020 von health TV

Bluthochdruck - die stille Gefahr

Bluthochdruck, medizinisch Hypertonie genannt, ist meist nicht spürbar und wird deshalb oft nicht erkannt.  Dr. Andreas Martin ist Facharzt für Anästhesie, Notfall-, Ernährungs- und Sportmediziner. Im Interview beantwortet er Fragen rund um die heimtückische Krankheit.

Wie viele Menschen sind von Bluthochdruck betroffen?

Statistisch haben mehr als 50 Prozent der über 60-jährigen einen Bluthochdruck. Aber wahrscheinlich sind insgesamt viel mehr Menschen betroffen, als wir denken, weil die Hypertonie lange gar keine oder unspezifische Beschwerden, wie zum Beispiel Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen verursacht. Aber auch Nervosität, ein rotes Gesicht oder Brustschmerzen können Symptome sein und dabei denkt man nicht primär an Bluthochdruck.

Ist es sinnvoll, seinen Blutdruck regelmäßig kontrollieren zu lassen oder selber zu messen?

Es empfiehlt sich auf jeden Fall bei einem Besuch beim Hausarzt den Blutdruck kontrollieren zu lassen. Wer betroffen ist, sollte zusätzlich auch regelmäßig selber messen.

Was ist denn ein normaler Wert für den Blutdruck?

Die Blutdruckwerte sollten etwa bei 120 zu 80 liegen. Bei 140 zu 90 fängt der Bluthochdruck an. Der erste  Messwert - der systolische Wert - zeigt den Druck an, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut auswirft. Der niedrigere, diastolische Wert, wird während der Entspannungs- und Füllungsphase des Herzmuskels gemessen.

Wer ist betroffen?

Das kommt drauf an, was für Begleiterkrankungen, Risikofaktoren oder genetische Belastungen jemand hat. Übergewichtige gehören zur Risikogruppe und haben ein ungefähr dreifach erhöhtes Risiko eine Hypertonie zu entwickeln. Etwa die Hälfte der deutlich Übergewichtigen sind Hypertoniker.

Was passiert, wenn der Bluthochdruck unerkannt und unbehandelt bleibt?

Wenn der Bluthochdruck über lange Zeit besteht und vielleicht über Jahre oder Jahrzehnte unentdeckt bleibt, können verschiedene Organe, wie zum Beispiel Nieren, Herz, Gehirn und Blutgefäße im ganzen Körper geschädigt werden. Von der WHO wird Bluthochdruck für zirka 50 Prozent aller Schlaganfälle und Herzinfarkte verantwortlich gemacht. Und bei den Todesursachen liegen Schlaganfall und Herzinfarkt sehr weit vorne, das kann ich als Notfallmediziner bestätigen.

Was kann jeder selber tun, um Bluthochdruck zu vermeiden?

Auf jeden Fall ist es wichtig, das Bauchfett zu reduzieren, weil es hormonell aktiv ist. Es produziert unter anderem bestimmte Botenstoffe, die den Blutdruck erhöhen. Eine gute Idee wäre auch, den Salzkonsum einzuschränken. Gerade Übergewichtige reagieren gut darauf. Fünf Gramm Salz, die empfohlene Tageshöchstdosis, sind schnell überschritten. Vor allem Wurst, Käse, Chips und Fertiggerichte enthalten sehr viel Salz. Am besten möglichst oft auf Fertiggerichte verzichten, lieber selber kochen und statt Salz Kräuter verwenden. Und ganz wichtig: regelmäßige moderate Bewegung, bei der man sich gerade noch unterhalten kann.

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