Pralles Leben

Wie reagieren Übergewichtige auf das Virus?

Adipositas und Corona: wenn zwei Pandemien aufeinander treffen

11.02.2021 von health TV

Covid-19: ein Thema, das seit über einem Jahr die ganze Welt in Atem hält. Bereits kurze Zeit nach Beginn der Covid-19-Pandemie wurden hohes Alter, männliches Geschlecht und Begleiterkrankungen als Risikofaktoren für einen komplizierten/schweren Verlauf von Covid-19 identifiziert. Inzwischen wurde auch Adipositas, also erhebliches Übergewicht, als eigenständiger Risikofaktor statistisch belegt. Aber wie lässt sich erklären, dass deutlich Übergewichtige häufiger (und) schwerer an Covid-19 erkranken? Können sie sich besser schützen und wenn ja, wie? Ist es sinnvoll jetzt noch abzunehmen? Wirkt die Impfung auch bei Adipösen? Antworten auf diese für Betroffene so wichtigen Fragen finden unsere Moderatorinnen Birgit von Bentzel und Sylvia Kunert zusammen mit Prof. Dr. Norbert Stefan (Uniklinik Tübingen) und dem health TV-Doc Dr. Andreas Martin.

Fragen und Antworten zu Corona/Covid-19 und Übergewicht

Birgit von Bentzel: Wo lauern noch Gefahren für adipöse Menschen? Beispielsweise bei der Infektion oder bei der Impfung? Was gibt es da noch für Punkte, die man beachten sollte?
Dr. Andreas Martin: Im Prinzip kann man eigentlich drei Ebenen der Risiko-Erhöhung auseinanderhalten Das eine ist das Infektionsrisiko. Also Adipöse haben schon ein erhöhtes Risiko, die Infektion überhaupt zu bekommen. Da gibt es zwar eine etwas unterschiedliche Studienlage dazu. Aber die Tendenz zeigt, dass stark Übergewichtige sehr wahrscheinlich auch ein höheres Infektionsrisiko haben.
Wenn Sie dann infiziert sind, ist der Verlauf komplizierter und mit schwerwiegenderen Komplikationen behaftet, das ist schon definitiv statistisch gesichert.
Die dritte Ebene wäre die Impfung, ob der Erfolg, also der Impfschutz, bei Adipösen genauso erfolgreich ist, wie bei nicht Adipösen, dazu gibt es einfach noch zu wenig Fakten, zu wenig Daten, um es klar zu beantworten

Sylvia Kunert: Jetzt haben wir erfahren, dass speziell Menschen mit Übergewicht gefährdeter sind, einen schweren Verlauf zu erleiden. Was ist denn damit genau gemeint?
Dr. Andreas Martin: Ja, schwerer Verlauf fängt an mit Hospitalisierung, sei es, dass die Patienten oder die Betroffenen überhaupt in einem Krankenhaus stationär aufgenommen werden müssen, anstatt eben z.B. einfach zu Hause in Quarantäne ihre Zeit abzuwarten, wenn sie nahezu symptomlos sind.
Und dann geht es natürlich weiter. Wenn das noch nicht reicht, wenn sich der Zustand verschlechtert, müssen Sie unter Umständen auf die Intensivstation. Und wenn der Zustand sich da noch weiter verschlechtert, geht es dann eben bis hin zur künstlichen Beatmung.


Birgit von Bentzel: Professor Stefan, Sie haben das Covid-19 Risiko für an Adipositas Erkrankter erforscht. Wie kann man sich das genau vorstellen und wie sind die Zahlen?
Prof. Dr. Norbert Stefan: Dazu berücksichtigt man den sogenannten Body-Mass-Index, d. h. das Gewicht geteilt durch die Körpergröße im Quadrat. Über 30 gelten die Menschen als adipös. Und Menschen mit einem BMI zwischen 30 und 35, haben ein etwa um 30 bis 40 Prozent erhöhtes Risiko, auf die Intensivstation zu kommen und oder auch zu sterben.
Ist der BMI allerdings über 40, also bei schwer Adipösen, ist das Risiko tatsächlich um 100 Prozent erhöht, sprich doppelt so hoch!

Sylvia Kunert: Eine Frage aus unserer Community: Melanie aus Tübingen wollte wissen: Ist es nicht eher schlecht, jetzt abzunehmen? So eine Diät schwächt doch auch meine Immunabwehr. Was können Sie denn dazu sagen, Prof. Stefan?
Prof. Dr. Norbert Stefan: Man muss ganz klar unterscheiden zwischen der Wahrscheinlichkeit, dass man infiziert ist. Da gilt natürlich, jedwede Diät oder Kalorien-Reduktion zu vermeiden.
Aber wir sollten sonst klar machen. Wir haben wahrscheinlich leider noch sehr lange mit diesem Virus zu tun, mindestens noch ein Jahr oder länger. Wie bereite ich mich also im Endeffekt vor, wenn die Impfungen vielleicht nicht so gut wirken, wenn der Virus mutiert?
Wir haben ja jetzt eine südafrikanische und eine brasilianische Variante, da liegt eine ganz neue Geschichte auf dem Tisch.
Was kann ich also selbst tun? Ich kann meinen Herzinfarkt nicht rückgängig machen oder mein Alter, aber Gewicht abnehmen, und oder gesund essen und damit schon meinen Darm von Entzündung befreien, das kann ich morgen tun. Und genau das ist die Message an meine Patienten. Wir fangen jetzt an abzunehmen und gesund zu essen, den Darm zu entschlacken. Alle Daten deuten darauf hin, dass die Menschen dann wahrscheinlich eine Infektion gesünder überstehen.

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